2019-02-01 14:24

Der Dampf trügt

E-Zigaretten sind gut für viele, die ohnehin schon rauchen. Vielleicht. Für alle anderen gilt: Sie sind gefährlich. Sicher.

Diese Studie kommt der Tabak- und E-Zigaretten-Industrie so gelegen – man könnte glauben, sie habe sie bestellt: «Vaping», «Dampfen», also der Nikotinkonsum via elektrische Zigaretten, ist ein Segen für Raucher. Nicht alle, aber viele entkommen damit ihrer Sucht, zuverlässiger als mit Nikotinkaugummi oder -pflastern. Diese gute Nachricht von der Uni­versität London stützt die frohe ­Marketingbotschaft, die von den Herstellern ohnehin schon lange verbreitet wird: E-Zigaretten sind nicht nur weit weniger schädlich als normale Glimmstängel, sondern sogar gesundheitsfördernd. Halleluja!

Nun hat die Tabakindustrie – in deren Händen das Geschäft mit den E-Zigaretten längst liegt – aber keinen besonders guten Ruf, was den ehrlichen Umgang mit den schädlichen Folgen ihrer Produkte anbelangt. Auch jetzt ist Skepsis angesagt. Denn die frohe Botschaft hat eine Kehrseite: Dampfen gilt bei Teenagern als besonders cool und verbreitet sich unter ihnen rasend schnell. Dass der Dampf angenehm schmeckt («Coole Minze», «Crème brûlée»), ist das eine. Dass er nun auch noch am Ruf arbeitet, harmlos, ja fast schon gesund zu sein, kommt noch dazu. Dabei züchtet die Tabakindustrie nach dem Krebstod des «Marlboro Man» sich so eine neue Generation von Nikotinabhängigen heran: junge Menschen, die dann ein Leben lang von dem Gift nicht mehr loskommen.

Das ist ein cleveres Geschäftsmodell, könnte man sagen. Aber eigentlich ist das Verhalten gesellschaftsschädigend, ja unmoralisch. Die Beteuerungen der Branche, sich brav selber zu regulieren, sind heuchlerisch. Sie reichen bei weitem nicht aus. Trotzdem: Wenn in Bern das Parlament bald ein neues Tabakgesetz diskutiert, kann es nicht darum gehen, Tabak und E-Zigaretten zu verbieten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Genuss- und Suchtmitteln ist uns allen zuzutrauen. Aber etwas anderes muss das Gesetz zwingend leisten: den Schutz der Jugend vor dem ­gezielten, süss säuselnden Marketing der Nikotindealer. Und deren Produkte müssen so abschreckend besteuert werden, wie es ihrem wahren Gefahrenpotenzial entspricht.