2019-05-01 10:52

Miese iPhone-Zahlen: Drei Gründe, warum die Aktie trotzdem steigt

Apples neuste Quartalszahlen zeigen, dass erste Massnahmen für die Zeit nach dem iPhone-Boom zu greifen beginnen.

Dienstleistungen statt Geräte: Apple-Chef Tim Cook muss seine Firma für das Ende des iPhone-Booms vorbereiten.

Dienstleistungen statt Geräte: Apple-Chef Tim Cook muss seine Firma für das Ende des iPhone-Booms vorbereiten.

(Bild: Reuters)

«Im zweiten Geschäftsquartal brachen die mit dem iPhone erzielten Umsätze konzernweit um 17 Prozent auf 31,05 Milliarden Dollar ein. Das war der stärkste Rückgang seit der Einführung des Smartphones vor gut zehn Jahren», meldete die SDA heute morgen.

Dass diese auf den ersten Blick dramatische Meldung nicht zu Panikverkäufen an den Börsen geführt hat und Apples Aktienkurs sogar gestiegen ist, hat in erster Linie drei Gründe:

Erstens ist inzwischen hinlänglich bekannt, wie schwierig das Smartphonegeschäft geworden ist (Das Plateau ist erreicht). Kunden behalten ihre Geräte Jahr für Jahr länger und sehen immer weniger Gründe sich alle paar Jahre ein neues Gerät zu kaufen. Zusätzlich verstärkt wird diese Entwicklung von volkswirtschaftlichen Faktoren wie Währungsschwankungen und global sehr unterschiedlichen Einkommensniveaus.

Vor dem Hintergrund hat Apple in den letzten Monaten einiges unternommen, um die Kunden zurückzugewinnen. Verkauften sich iPhones in den letzten Jahren fast wie von selbst, greift nun auch Apple zu Massnahmen, die die Konkurrenz schon längst nutzt: Rabatte, Eintauschaktionen, Preissenkungen sowie etwas marktschreierischere Werbungen und Verkaufsmassnahmen in den eigenen Ladengeschäften.

Tatsächlich will Apple-Chef Tim Cook, wie er an einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten sagte, erste Anzeichen für eine Erholung der iPhone-Zahlen gesehen haben. Gerade in China bessere sich die Lage merklich.

Zweitens ist Apple daran, sich für die Zeit nach dem iPhone-Boom neu aufzustellen. Mit 1,4 Milliarden Apple-Geräten im weltweiten Einsatz legt die Firma ihr Augenmerk zusehends auf Services. Abodienste wie iCloud-Speicher, Apple Music, Garantie-Programme, Apple News+ und demnächst auch Apple TV+ (TV-Streaming) und Apple Arcade (Spiele-Abo) aber auch andere Dienstleistungen wie Apple Pay oder die für Sommer angekündigte Apple-Kreditkarte sollen die sinkenden iPhone-Verkaufszahlen wenn nicht auffangen, so zumindest abfedern.

Quartal für Quartal meldet Apple neue Service-Rekorde. Wie wichtig Services inzwischen für Apple als Einnahmequelle sind, zeigt diese Grafik des Apple-Experten Jason Snell:

Auch wenn die Apple Watch und vor allem das iPad ein sehr gutes Quartal hinter sich haben, liegen sie in Sachen Umsatz bereits deutlich hinter den Services zurück.

Drittensgefällt Investoren das grossangelegte Aktienrückkaufprogramm von Apple. Der Verwaltungsrat habe zugestimmt, dass weitere 75 Milliarden Dollar in das Programm investiert werden dürfen, teilte Tim Cook mit. Wie die «New York Times» zusammengezählt hat, hat Apple von 2014 bis Ende 2018 bereits Aktien im Wert von 229 Milliarden Dollar zurückgekauft.

So gesehen darf es nicht überraschen, dass der Aktienkurs nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen gestiegen ist. Es darf aber auch nicht überraschen, dass der Apple-Chef trotz mehrmaligem Nachfragen von Analysten nichts zu künftige Produkten oder Services verraten wollte. So ist weiter offen, wie (und zu welchem Preis) Apple den neuen TV-Streamingdienst und das Spiele-Abo vertreiben wird.

Was neue Geräte und Software angeht, wird es voraussichtlich erst Anfang Juni spannend. Dann zeigt Apple an der jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC die neuen Versionen von iOS, watchOS und macOS. Gut möglich, dass an dem Anlass auch der noch für dieses Jahr erwartete neue Mac Pro (ein voraussichtlich ziemlich teurer Profi-Computer) vorgestellt wird.