2018-11-18 09:39

Bürgerliche setzen auf Frauenkandidaturen

Die Berner SP entscheidet sich mit der erneuten Kandidatur von Hans Stöckli gegen mehr Frauen im Ständerat. Die Bürgerlichen wollen hier nun angreifen.

Der Kampf um die Plätze im Ständerat hat erst begonnen.

Der Kampf um die Plätze im Ständerat hat erst begonnen.

(Bild: Peter Mosimann)

Hans Stöckli (SP) will nochmals für den Ständerat kandidieren, wie der Berner SP-Ständerat am Samstagmorgen bekannt gegeben hat. Für seine eigene Partei sei dies ein Glücksfall, da sich Stöckli im Ständerat bewährt habe und somit der geeignete Kandidat für den Ständerat sei, sagt Mirjam Veglio, Co-Präsidentin der SP Kanton Bern.

Dennoch ist es gerade die SP, die für mehr Frauen im Bundesparlament und somit auch im Stöckli votiert – und die nun weiterhin auf einen Mann setzt. Die Frauenfrage sei auch weiterhin wichtig, so Veglio. Bezüglich der Kandidatur Stöcklis habe sich diese Frage jedoch nicht gestellt. Man habe mit Hans Stöckli einen erfahrenen Bisherigen, den man in seiner Kandidatur unterstütze.

Eine zweite, weibliche Kandidatur, um den Sitz des BDP-Ständerats Werner Luginbühl mit einer Frau anzugreifen, ist nicht angedacht. Eine mögliche SP-Kandidatin für den Ständerat käme frühstens infrage, wenn Hans Stöckli zurücktritt oder sich nicht mehr zur Wahl stellen würde.

Helvetia lässt grüssen

Die Frage nach der Frauenvertretung nimmt besonders für die kommenden Wahlen einen grossen Platz ein. Einerseits liegt dies daran, dass nur eine einzige bisherige Ständerätin wieder antritt: die Thurgauer CVP-Politikerin Brigitte Häberli-Koller. Ansonsten sind Neukandidatinnen gefragt, welche die Frauenquote im Ständerat nach oben drücken. Ein Projekt, welches sich dieser Thematik annimmt, ist «Helvetia ruft». Die Kampagne, welche von Alliance F und Operation Libero ins Leben gerufen wurde, unterstützt Frauen bei der Kandidatur für den National- und Ständerat. Ebenso werden die Parteien sensibilisiert, eigene Kandidatinnen auf gute Listenplätze zu setzen, um ihre Wahlchancen zu erhöhen.

Kathrin Bertschy, Berner GLP-Nationalrätin und Co-Präsidentin von Alliance F, hofft, dass die Frauenquote im Ständerat auch durch die Kampagne erhöht werden kann. Es sei für die Schweiz «höchst problematisch», dass nur noch eine Bisherige für den Ständerat kandidiert. Dennoch verstehe sie das Vorgehen der SP Kanton Bern, sich hinter ihren Bisherigen zu stellen. Stärker gewichtet sie die Repräsentation des Kantons Bern im Ständerat in Bezug auf das Alter und das Geschlecht. Da sie sich eine ausgewogenere Vertretung wünscht, stellt sie sich gleich selber für die GLP als Ständeratskandidatin zur Verfügung. Ob die Partei die junge Nationalrätin auf ihre Liste setzen wird, zeigt sich aber erst an der offiziellen Nominiertenversammlung im Februar.

Grüne setzen auf «Trümpfe»

Bei der bernischen Kantonalpartei der Grünen ändert die erneute Kandidatur Stöcklis vorerst nichts am strategischen Vorgehen im Vorfeld der Ständeratswahl, so Co-Präsidentin Natalie Imboden auf Anfrage. Den beiden Hauptkandidierenden – Grünen-Präsidentin Regula Rytz und Alt-Regierungsrat Bernhard Pulver – gebe man weiterhin bis Ende Jahr Zeit, um sich für oder gegen eine Kandidatur auszusprechen. Innerhalb der Partei werde schliesslich im Januar bestimmt, welche der beiden Personen für die Grünen ins Rennen geht.

Auch bei den Grünen will man sich nicht auf die Frauenfrage versteifen. «Wir haben zwei starke Trümpfe im Ärmel. Das steht für uns im Vordergrund.» Welche der beiden Personen es auf das Ticket schaffen wird, hänge deshalb nicht vom Geschlecht ab.

Bürgerliche greifen mit Frauen an

Ihre Kandidatur bekannt gegeben hat bereits Christa Markwalder (FDP). An dieser ändere sich auch durch Stöcklis erneute Kandidatur nichts. Zwar seien die Chancen auf eine Wahl in den Ständerat bei vakanten Sitzen besser, dennoch freue sich die Burgdorfer Nationalrätin auf den Wettbewerb. Wichtig ist aus ihrer Sicht, den Berner Wählerinnen und Wählern eine breitere Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten zu bieten.

Durch die vielen Frauenrücktritte im Ständerat sei sie in ihrer Kandidatur zusätzlich bestärkt worden. Es liege nun an den kantonalen Parteien, Kandidatinnen zur Wahl zu stellen, die diese Lücken füllen könnten. In diesem Sinne trete auch Markwalder als Kandidatin für die FDP an, um den Frauenanteil im Ständerat zu erhöhen. Somit greift sie die SP – die sich für eine höhere Frauenquote im Stöckli starkmacht, aber nun auch im Kanton Bern mit einem Mann antritt – in einer ihrer zentralen Fragen an.

Ähnlich sieht es Nationalrätin Marianne Streiff, welche für die EVP in den Ständerat einziehen will. Sie ist sich bewusst, dass es schwieriger wird, sich gegen Bisherige durchzusetzen. Dennoch sieht auch sie das Problem der ungleichen Geschlechterzusammensetzung und will mit ihrer Kandidatur erreichen, dass wieder eine Frau den Kanton Bern im Ständerat vertritt.

Im Aargau gewinnt der Feminist gegen die Frau

Ähnlich wie in Bern sieht die Situation im Kanton Aargau aus. Dort hat sich die kantonale SP trotz der Kandidatur von Nationalrätin Yvonne Feri für Nationalrat Cédric Wermuth als Ständeratskandidaten entschieden. Seitens seiner Befürworter hiess es laut «Aargauer Zeitung», dass man mit ihm schliesslich auch einen Feministen gewählt habe, der sich für die Frauen im Ständerat einsetzen würde. Dafür ist es auch hier eine bürgerliche Partei, die mit einer Frau angreift. Die CVP kandidiert mit Marianne Binder.

DerBund.ch/Newsnet