2019-03-14 22:14

Polizei-Alarm vor der Reitschule

Vor der Berner Reitschule warnt neuerdings eine Sirene vor Polizeieinsätzen. Sie wurde von den Betreibern montiert. Die Polizei will abklären, ob diese sich damit strafbar gemacht haben.

Auf dem Vorplatz der Reitschule warnt nun eine Sirene vor Polizeieinsätzen. (Archivbild)

Auf dem Vorplatz der Reitschule warnt nun eine Sirene vor Polizeieinsätzen. (Archivbild)

(Bild: Manuel Zingg)

Sirenen dienen oft dazu, um auf die Ankunft der Sicherheitsbehörden aufmerksam zu machen. Selten kommt es aber vor, dass das Warnsignal nicht von der Polizei selbst ausgeht. Vor der Berner Reitschule gibt es jedoch nun einen Polizei-Alarm: Bei Polizeieinsätzen im Umfeld des Kulturzentrums ertönt neu die «Schau-Hin!-Sirene». So nennen sie die Reitschule-Betreiber, die in einer Medienmitteilung bestätigen, die Sirene installiert zu haben.

«Zivilcourage fördern»

Die Sirene wurde am Mittwochabend eingesetzt. Die Polizei führte auf der Schützenmatte eine Aktion gegen Drogenhandel durch. Plötzlich erklangen wiederholte, schrille Pieptöne ähnlich einem Feueralarm, wie Besucher der Reitschule dem «Bund» berichten. Laut Angaben der Kantonspolizei Bern auf Twitter seien darauf mehrere Personen von der Schützenmatte in den Innenhof der Reitschule gerannt. «Offensichtlich werden Drogendealer gewarnt, welche sich fluchtartig ins Innere des Gebäudekomplexes zurückzogen», sagt Polizeisprecher Christoph Gnägi. Auf diese Weise sei in mindestens einem Fall nachweislich eine Anhaltung verhindert worden.

In ihrer Mitteilung schreibt die Mediengruppe der Reitschule, der Alarm diene dazu, Besucherinnen und Besucher auf «die Gefahr von Polizeiübergriffen» aufmerksam zu machen. «Sie dient damit der Förderung der Zivilcourage sowie der Deeskalation und soll dazu beitragen, Polizeieinsätze besser zu dokumentieren.»

Den Entscheid, die Sirene zu montieren, hätten verschiedene Faktoren herbeigeführt: Zum einen vernachlässige die Polizei den Kontakt zu den Reitschule-Betreibern; zum anderen seien Mitglieder der Zivilpolizei mehrfach in das Restaurant Sous-le-pont in der Reitschule eingedrungen und hätten Menschen zu Boden gedrückt. Die Sirene trage zum Schutz von Mitarbeitenden und Gästen bei und sei «ein konkreter Schritt zur Verbesserung und Entspannung der Situation.»

Kontakttelefon blieb unbenutzt

Ganz anders sieht es der Kommandant der Kantonspolizei Bern, Stefan Blättler. Die Sirene habe zur Folge gehabt, dass sich Personen versammelt und Polizisten bei der Arbeit gestört hätten. Dies stelle eine Behinderung der Polizeiarbeit dar. Auf die Frage, ob sich die Betreiber der Reitschule durch den Einsatz der Sirene also strafbar gemacht hätten, antwortet Blätter, dass dies abzuklären sei. Zudem sagt Blättler, dass die Sirene bereits mehrfach eingesetzt worden sei.

Der Polizeieinsatz vor dem Kulturzentrum am Mittwochabend hatte auch aus anderen Gründen über das Verhältnis zwischen der Reitschule und der Kantonspolizei zu Reden gegeben: Nur wenige Stunden vor der Aktion hatte Polizeikommandant Blättler in einem offenen Brief zum Dialog zwischen den beiden Seiten aufgerufen. Dass dieser Aufruf mit dem Einsatz zusammenfiel, bezeichnete die Mediengruppe der Reitschule als «doppeltes Spiel». Vor dem Hintergrund mehrerer umstrittener Polizeiaktionen im Umfeld der Reitschule und der fehlenden Kommunikation seien Blättlers Worte widersprüchlich.

Auf Anfrage bestätigt Polizeisprecher Gnägi, dass man das vertraglich festgelegte Kontakttelefon zwischen Polizei und Reitschule-Betreiber am Mittwochabend nicht benutzt hat. Bei grösseren Einsätzen und einer grösseren betroffenen Menschenmenge kontaktiere man die Betreiber mit Blick auf die Sicherheit der Unbeteiligten aus eigenem Antrieb. «Dies war gestern nicht gegeben.»

«Gegen das Kulturzentrum haben wir nichts»

Mit seinem offenen Brief habe er aufzeigen wollen, dass sich die Arbeit der Polizei nicht gegen die Besucher oder den Betrieb der Reitschule richte, sagt Stefan Blättler. Im Sinne der Transparenz habe er deutlich machen wollen, dass die Polizei ihrem öffentlichen Auftrag gemäss ausschliesslich gegen Straftäter, namentlich Gewalttäter und Drogenhändler, vorgehe. «Gegen das Kulturzentrum selbst haben wir nichts. Es ist ein fester Bestandteil der Kultur im Raum Bern.»

«Ich will die Spirale der Anschuldigungen und Vorwürfe durchbrechen.» Er sei zu einem offenen Dialog mit den Betreibern bereit. «Es würde mich freuen, die Diskussion auch mit kritischen Stimmen zu führen.» Die Kriminalität auf der Schützenmatte sei mit Blick auf das grosse Kantonsgebiet bei weitem nicht das grösste Problem der Kantonspolizei Bern. «Aber das Problem kann nur gelöst werden, wenn man darüber redet.»

Einsatz gegen Drogenhandel am Donnerstag

Auch am Donnerstagabend führte die Kantonspolizei auf der Schützenmatte einen Einsatz gegen Drogenhandel durch, wie sie per Twitter vermeldete. Anlass dafür sei gewesen, dass einem Polizisten Drogen angeboten worden sei. Deshalb habe die Polizei entschieden, zwei Männer anzuhalten.

Diese Männer hätten versucht, sich der Anhaltung zu entziehen, indem sie in den Innenhof der Reitschule flüchteten. Die Polizisten folgten ihnen und in der Folge ertönte die Reitschul-Sirene. Danach bedrängte eine Personengruppe die Polizisten. Diese boten daher Verstärkung auf.

Die Reitschule sprach einem Tweet von «rund 40 Polizist*innen in Vollmontur». Durch die Verstärkung konnte die Situation laut Polizei beruhigt werden. Sie führte einen festgenommenen Mann aus dem Innenhof ab.