2019-06-12 21:18

Die Statistik spricht für Boston, aber …

Der Stanley-Cup 2019 wird heute Nacht im Spiel 7 entschieden.

Boston jubelt, bei St. Louis hängen die Köpfe: Ginge es nach der Statistik, wäre das Bild nach Spiel 7 dasselbe. (Bild: Bruce Bennett/Getty Images)

Boston jubelt, bei St. Louis hängen die Köpfe: Ginge es nach der Statistik, wäre das Bild nach Spiel 7 dasselbe. (Bild: Bruce Bennett/Getty Images)

Es war bereits alles angerichtet in St. Louis, der erste NHL-Titel noch einen Heimsieg entfernt. Dann taten die Boston Bruins das, was sie auszeichnet: Zähigkeit beweisen, Nerven bewahren. 5:1 siegten sie am Ende, nachdem die Partie nach 40 Minuten und einem 1:0-Zwischenstand noch völlig offen gewesen war.

So kommt es nun in der Nacht auf Donnerstag zu Spiel 7 in Boston. Zum 17. Mal wird der Final um den Stanley-Cup damit über die volle Distanz gehen, seit die NHL 1939 das Best-of-7 einführte.

Es ist keine neue Situation für Boston, bereits in Runde 1 musste das Team für Spiel 6 mit einem 2:3-Rückstand in der Serie nach Toronto reisen und setzte sich dann mit zwei Siegen (4:2, 5:1) durch. Um den 7. NHL-Titel der Vereinshistorie zu gewinnen, müssen die Bruins dieses Kunststück wiederholen.

Zuletzt 1945 …

Die Statistik spricht nun klar für Boston: Die 27 bestrittenen siebten Spiele und die davon 15 gewonnenen Partien sind beides NHL-Rekorde (die 12 Niederlagen allerdings auch …).

In Spiel 7 zeigt sich zudem generell öfter als sonst der Heimvorteil: 104:72 lautet die All-Time-Siegbilanz in der NHL zugunsten des Heimteams – in einem siebten Finalspiel ist die Bilanz noch deutlicher: 12:4.

Und in den bisher bloss fünf Fällen, wenn ein Team im Final bei 2:3-Rückstand in der Serie Spiel 6 auswärts gewann und eine siebte Partie zu Hause erzwang, kam es danach in der Belle nur einmal zu einem Auswärtssieg: Als die Toronto Maple Leafs in Detroit 2:1 gewannen, lautete das Jahr 1945, beiden Teams fehlten wegen des Zweiten Weltkriegs in Europa als Soldaten stationierte Spieler …

Und, last but not least: Das letzte Mal, dass ein Spiel 7 in einem Final mit einem Auswärtssieg endete, war 2011. Nach zunächst 6 Heimsiegen verlor Vancouver Spiel 7 zu Hause mit 0:4 gegen … Boston.

St. Louis spielt nun also gegen alle (statistischen) Widrigkeiten. Doch auch den Aussenseiter, der zu Jahresbeginn noch den letzten Platz der Liga belegte und dann mit einem erstaunlichen Endspurt dennoch das Playoff erreichte, zeichnet diese Zähigkeit aus. Die Blues reagierten zuletzt mehrfach vorzüglich auf Negativ-Erlebnisse – wie zum Beispiel die 2:7-Klatsche zu Hause gegen Boston in Finalspiel 3, worauf zwei Siege folgten.

Und was das NHL-Playoff 2019 bislang vor allem brachte, war eine schon lange nicht mehr erlebte Unberechenbarkeit, ein in diesem Ausmass seltenes Favoritensterben. Ein Sieg der Blues in Spiel 7 in Boston wäre so gesehen ein würdiger Schlusspunkt hinter eine verrückte NHL-Saison.

kk