2018-06-06 14:10

FDP-Männer wollen Elternzeit – auf Kosten der Mütter

Die Partei will das elterliche Betreuungsmodell flexibilisieren und damit die Initiative für einen Vaterschaftsurlaub bodigen.

«Ein Vaterschaftsurlaub zementiert das traditionelle Rollenmodell», sagt FDP-Ständerat Andrea Caroni (AR). Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

«Ein Vaterschaftsurlaub zementiert das traditionelle Rollenmodell», sagt FDP-Ständerat Andrea Caroni (AR). Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Plötzlich kommt Bewegung in eine seit Jahren festgefahrene Diskussion: Die FDP lanciert einen indirekten Gegenvorschlag zur Initiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub. An ihrer gestrigen Sitzung hat die Fraktion das Konzept von fünf jungen Männern gutgeheissen. Es umfasst erstens eine 16-wöchige Elternzeit, von der die Mutter mindestens 8 Wochen beziehen muss und der Rest flexibel auf beide Eltern verteilt werden kann. Heute hat lediglich die Mutter Anrecht auf einen 14-wöchigen Urlaub.

Zweitens soll der Fremdbetreuungsabzug bei der direkten Bundessteuer von 10'100 auf maximal 25'000 Franken erhöht werden. Der Bundesrat hat dies Anfang Mai beschlossen; die FDP will sich nun im Parlament «vehement» dafür einsetzen. Und drittens soll die Anschubfinanzierung von Kindertagesstätten nach 16 Jahren beendet werden. Der Nationalrat entscheidet bereits nächste Woche über die Weiterführung.

Auch die CVP wird aktiv

«Ein Vaterschaftsurlaub zementiert das traditionelle Rollenmodell. Davon wollen wir wegkommen und schlagen stattdessen eine flexible Elternzeit vor», sagt FDP-Ständerat Andrea Caroni, der am Konzept mitgewirkt hat. Doch diese Lösung gebe es nur im Paket: Befürworte das Parlament zum Beispiel erneut die Anschubfinanzierung für Kitas, sei der Deal hinfällig. «Wir wollen die Mehrausgaben für die Elternzeit kompensieren», so Caroni. Er hofft, auf diese Weise die Skeptiker im bürgerlichen Lager zu gewinnen, denen jede Form von verlängertem Elternurlaub zu weit geht.

Video – So erklären die Initianten ihre Vorlage

Die Initiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» will vier Wochen bezahlten Urlaub für Väter. Video: Tamedia/SDA

Auch die CVP geht nun in die Offensive. Die Fraktion hat sich gestern mit nur einer Gegenstimme entschieden, den Gegenvorschlag von Nationalrat Martin Candinas ins Rennen zu schicken: Dieser war vor zwei Jahren mit einer parlamentarischen Initiative für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub knapp gescheitert. Vom FDP-Modell hält Candinas wenig: «Damit würde der 14-wöchige Mutterschutz verletzt, zu dem wir heute rechtlich verpflichtet sind.» Zudem werde die CVP «ganz sicher nicht» Hand bieten für eine Beendigung der Kita-Anschubfinanzierung.

«Die 14 Wochen wurden mühsam erkämpft, die geben wir nicht auf.»Aline Trede, Nationalrätin Grüne

Damit wird das Parlament zwei Gegenvorschläge zum populären Volksbegehren prüfen können. Insbesondere der Ansatz der FDP dürfte es jedoch schwer haben. Die GLP erachtet ihn als zu wenig konsequent, um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen, wie Nationalrätin Kathrin Bertschy sagt. Sie fordert 14 Wochen für beide Elternteile – sofern sie erwerbstätig sind.

Auf linker Seite wiederum steht eine Aufweichung des Mutterschutzes nicht zur Diskussion: «Die 14 Wochen wurden mühsam erkämpft, die geben wir nicht auf», sagt die grüne Nationalrätin Aline Trede, die per Vorstoss eine eineinhalbjährige Elternzeit gefordert hatte. Und für die SP-Fraktion, die sich gestern ebenfalls mit der Frage befasst hat, ist bereits die Initiative ein Kompromiss. «Unser Anliegen hat grossen Rückhalt in der Bevölkerung», sagt Adrian Wüthrich, SP-Nationalrat und Präsident des Trägervereins. Mit den Gegenvorschlägen stiegen nun die Chancen, «dass die Schweiz bald als letztes Land von Europa einen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub erhält».


Bilder – Diese Männer bodigten 2016 den letzten Anlauf für den Vaterschaftsurlaub

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