ABO+2019-01-23 13:33

Berner Arzt half, die Kasse zu plündern

Ein Berner Chefarzt unterstützte zwei libysche Diplomaten dabei, die Botschaft in Bern um 900'000 Franken zu erleichtern.

War es Hilfe für libysche Patienten oder Veruntreuung staatlicher Gelder? Die Botschaft Libyens im Berner Obstbergquartier. Foto: Adrian Moser

War es Hilfe für libysche Patienten oder Veruntreuung staatlicher Gelder? Die Botschaft Libyens im Berner Obstbergquartier. Foto: Adrian Moser

«Andere Länder, andere Sitten», sagte der Verteidiger zu Beginn seines Plädoyers. Er versuchte, die merkwürdigen Geldflüsse auf dem Konto seines Mandanten damit zu erklären, dass es in Libyen halt etwas anders laufe als in der Schweiz.

Tatsächlich hatte sein Mandant, ein erfahrener Chefarzt an einem Stadtberner Spital, einem Geschäft zugestimmt, das merkwürdig anmutet. Ein Diplomat der libyschen Botschaft in Bern liess dem Arzt ab 2014 Patientendossiers libyscher Staatsbürger zukommen. Der Arzt sollte eine Kostenschätzung abgeben und beurteilen, ob die Patienten in der Schweiz behandelt werden könnten. Als Honorar für seine Arbeit erhielt der Arzt stolze 20 Prozent der von ihm geschätzten Behandlungskosten.