2015-04-21 07:12

In und um Bern wird verdichtet und erweitert

Rund 440'000 Menschen werden 2030 in der Region Bern leben. Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland rüstet sich für dieses Wachstum und hat ihre Raum- und Verkehrsplanung angepasst – und schlägt auch umstrittene Gebiete wie das Blinzernplateau zur Einzonung vor.

Im Gebiet Saali/Dennigkofen auf Berner und Ostermundiger Boden sieht die Regionalkonferenz grosses Entwicklungspotenzial.

Im Gebiet Saali/Dennigkofen auf Berner und Ostermundiger Boden sieht die Regionalkonferenz grosses Entwicklungspotenzial.

(Bild: Adrian Moser)

  • Lisa Stalder

    Lisa Stalder

Die Region Bern wächst und wächst. Und es soll in ähnlichem Stil weitergehen: Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) geht davon aus, dass im Jahr 2030 rund 440'000 Menschen im Raum Bern-Mittelland leben werden. Das entspricht einer Zunahme von 10 Prozent gegenüber heute. Die Anzahl Arbeitsplätze soll im selben Zeitraum um 6,4 Prozent auf rund 320'000 steigen. Um die Region auf dieses Wachstum vorzubereiten, hat die Regionalkonferenz ihre Raum- und Verkehrsplanung angepasst. Das Regionale Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept 2. Generation (RGSK II), wie das 145 Seiten dicke Papier mit ganzem Namen heisst, wurde am Montag den Medien vorgestellt. Am Dienstag beginnt die Mitwirkung, während der sich die 85 zur Regionalkonferenz gehörenden Gemeinden und andere interessierte Kreise beteiligen können.

Ziel: Gegen innen bauen

Die Regionalkonferenz hat mit dem überarbeiteten Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept das Rad nicht neu erfunden. Das neue Papier basiert weitgehend auf dem Vorgängerkonzept aus dem Jahr 2012. Gemäss Jörg Zumstein, Präsident der Kommission Raumplanung der RKBM und Gemeindepräsident von Gerzensee, sind vorwiegend Pendenzen abgebaut, Schwächen ausgemerzt und vor allem Vorgaben des Bundes und des Kantons berücksichtigt worden. Von ihrem Ziel, qualitativ zu wachsen und haushälterisch mit dem Boden umzugehen, sei die Regionalkonferenz nicht abgerückt, so Zumstein. So werde auch weiterhin konsequent «eine Siedlungsentwicklung nach innen» angestrebt. In anderen Worten: Neue Wohnungen und Arbeitsplätze sollen vorwiegend im bestehenden Siedlungsgebiet gebaut werden. An Orten also, die bereits heute gut erschlossen sind.

Potenzial für neuen Wohnraum sieht die RKBM unter anderem im Gebiet Saali/Dennigkofen auf Berner und Ostermundiger Boden, auf der Steinibachmatte in Zollikofen, im Weyergut in Wabern oder auf der Ochsematte in Münsingen. Für neue Arbeitsplätze sind gemäss RKBM das Gebiet Ostermundigen Nord, das Gümligenfeld in der Gemeinde Muri oder das Balsigergut in Wabern geeignet.

Mit Widerstand ist zu rechnen

Aber auch um Neueinzonungen werden die Gemeinden wohl nicht herumkommen: Im Einzugsgebiet der Regionalkonferenz gibt es gemäss Kanton einen Wohnbauland-Bedarf von 602 Hektaren, 182 müssten neu eingezont werden. Wo dereinst wie viel überbaut werden kann, wird sich weisen, zumal sich Bund und Kanton bei den raumplanerischen Vorgaben für den Kanton Bern uneins sind.

Doch nicht nur Bund und Kanton könnten allfällige Entwicklungspläne vereiteln, sondern auch die Stimmberechtigten der einzelnen Gemeinden selber. Schliesslich sind sie es, die das letzte Wort haben. Gerade aus den Gemeinden ist mit Widerstand zu rechnen, schlägt doch die Regionalkonferenz im RGSK etliche Gebiete vor, die in der Vergangenheit aus Ortsplanungsrevisionen gekippt wurden oder gar nicht erst zur Diskussion standen. So wird beispielsweise das Gebiet entlang der Bernstrasse in Stettlen als «Vorranggebiet für die Siedlungsentwicklung» angegeben. 2009 schickte die Gemeindeversammlung indes Pläne, das Rittergut zu bebauen, bachab. Zu reden geben dürfte auch das Blinzernplateau in der Gemeinde Köniz und das Unterfeld in Münchenbuchsee. Auch diese beiden Gebiete werden von der RKBM als Entwicklungsgebiete vorgeschlagen.

Velo- und Fusswege ausbauen

Mit den zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohnern wird auch der Verkehr zunehmen: Um den kompletten Verkehrskollaps zu verhindern, möchte die RKBM den Verkehr möglichst auf umweltverträgliche Verkehrsmittel verlagern. Damit dies gelingen könne, sei der gezielte Ausbau des öffentlichen Verkehrs, sowie von Velo- und Fusswegen nötig, sagte Thomas Iten, Präsident der Kommission Verkehr der RKBM und Gemeindepräsident von Ostermundigen. Auch will die Regionalkonferenz auf die «kombinierte Mobilität» setzen, also «Bike + Ride» (mit dem Velo bis zum Bahnhof, mit dem Zug in die Stadt), aber auch «Park + Ride» (zum Beispiel Auto und Tram). Dies setze unter anderem den Ausbau von S-Bahnhöfen voraus, so wie dies im Wankdorf bereits geschehen sei. Potenzial bestehe auch im Liebefeld oder in Ostermundigen. Denn nur, wenn ein gutes Angebot bestehe, sei es auch möglich, die Menschen zum Umsteigen vom Auto auf den öV zu bewegen, so Iten. Beim Strassenverkehr stehen für die Planer die Erhöhung der Verkehrssicherheit und ein punktueller Ausbau im Vordergrund. Als Beispiel nannte Iten unter anderem die Verbesserung der Ortsdurchfahrt Konolfingen und die Umfahrung von Kehrsatz.

Die Mitwirkung läuft bis zum 10. Juli. Die geplanten Massnahmen sind unter 
www.webgis-rkbm.ch ersichtlich. Die Regionalkonferenz führt öffentliche Informationsveranstaltungen durch: Dienstag, 28. April, Kaserne in Bern, Montag, 11. Mai, im Bären Münchenbuchsee, Dienstag, 19. Mai, im Feuerwehrmagazin in Münsingen, jeweils 18.30 Uhr.

Der Bund