2014-10-23 10:37

Folletête tritt wegen «heftiger Debatten» vorzeitig zurück

Der Bremgartner Gemeindepräsident Dominique Folletête tritt aus gesundheitlichen Gründen per sofort zurück.

Bremgarten muss sich einen neuen Gemeindepräsidenten suchen.

Bremgarten muss sich einen neuen Gemeindepräsidenten suchen.

(Bild: Valérie Chételat)

  • Janina Gehrig und Samuel Thomi

Gut ein Jahr vor den Wahlen tritt Dominique Folletête als Gemeindepräsident von Bremgarten «per sofort und aus gesundheitlichen Gründen» zurück, wie Folletête und der Gemeinderat gestern mitteilten. Auf Nachfrage erklärt der Freisinnige, alle übrigen Mandate behalte er – namentlich jene im Verwaltungsrat der ARA Bern, in den Stiftungsräten von Konzert Theater Bern und der Schweizerischen Herzstiftung sowie den Sitz im Beirat der Berner Hochschule der Künste. Der Grund für die gesundheitliche Belastung habe nämlich direkt mit der Arbeit als Gemeindepräsident zu tun, sagt Folletête. So habe es im September im Gemeinderat bei der Diskussion über einen Kauf der Liegenschaft der Post «heftige Debatten» gegeben.

Bereits zwei Wochen ausgefallen

«Daraus entstanden Emotionen und gegen­seitige Verletzungen», so Folletête. Darauf sei er in einen «ärztlich bescheinigten akuten Erschöpfungszustand» ­geraten und habe ab dem 7. Oktober seiner Aufgabe als Gemeindepräsident fernbleiben müssen. Hintergrund des Geschäfts ist, dass sich die Bürger­lichen sowie der Vertreter der GLP gegen eine Millioneninvestition im Dorf ent­schie­den. Die Vertreter der Linken hingegen wollten sich mit einem Kauf Einfluss auf die Entwicklung des Zentrums ­sich­ern. «Eine solche Millioneninvestition hat im Moment jedoch keinen Platz in unserem Finanzhaushalt», sagt Folletête. «Ich bedaue­re, meine zweite Amtszeit nicht mit voller Kraft zu Ende führen zu können.» Nach Rücksprache mit Familie und Freunden habe er sich «entschieden, mich im Frieden zurückzuziehen».

«Der Gemeinderat bedauert den Rücktritt von Dominique Folletête sehr», sagt Barbara Dätwyler, die als Vizegemeindepräsidentin (SP) die Geschäfte des Ressorts Präsidiales und Kultur bis auf weiteres übernehmen wird. Folletête sei ein «hervorragender, engagierter und sehr präsenter» Gemeindepräsident gewesen. Dass die Stimmung im Gemeinderat schlecht sei, verneint Dätwyler. «Wir haben nicht Krach, sondern bei verschiedenen Geschäften sachliche Auseinandersetzungen gehabt, die durchaus hitzig sein konnten.» Es sei nie zu persönlichen Angriffen gekommen. Leider sei für sie und die anderen Gemeinderäte aber nicht sichtbar gewesen, dass dies Folle­tête wohl anders gesehen und diese Art von Diskussion nicht mehr ertragen habe. Sie selber habe keine Ambitionen auf das Amt der Gemeindepräsidentin. Noch sei nicht klar, ob Neuwahlen notwendig würden. Derzeit sind die offenen Fragen beim Regierungsstatthalter deponiert.

Franziska Eberhard, Präsidentin der FDP Bremgarten, ist «enttäuscht, dass Folletête sein Amt nicht wie vorgesehen weiter ausüben kann», wie sie sagt. Über eine mögliche Nachfolge könne sie derzeit noch keine Aussage machen. Erst in den nächsten Tagen werde sich der Parteivorstand zu einem Gespräch treffen, um die weiteren Schritte zu diskutieren.

FDP-Mann Folletête stand die letzten sieben Jahre an der Spitze des Gemeinderates. Zuvor war der heute 68-Jährige eine Legislatur lang zuständig für die Gemeinde­finanzen.

DerBund.ch/Newsnet