2014-06-04 16:38

Das Nein aus Bremgarten verunsichert die Nachbarn

Nachdem die Gemeindeversammlung in Bremgarten den Veloweg am Aareufer knapp abgelehnt hat, kommen auch in Ittigen und Zollikofen Zweifel auf.

Ob das Projekt Aareschlaufen realisiert werden kann, steht in den Sternen.

Ob das Projekt Aareschlaufen realisiert werden kann, steht in den Sternen.

(Bild: Symbolbild)

  • Simon Gsteiger

Nur eine Stimme machte den Unterschied aus, aber sie könnte auf das Projekt Aareschlaufen einen entscheidenden Einfluss haben: Bremgarten hat am Montag als erste von fünf Gemeinden über den Kredit für den Fuss- und Veloweg entlang der Aare abgestimmt – und diesen abgelehnt. «Wir senden damit ein schlechtes Signal an die anderen Gemeinden», sagt Gemeindepräsident Dominique Folletête (FDP) am Tag danach.

Den Grund für die knappe Entscheidung sieht er in der dürftigen Kommunikation seitens der Behörden: «Die Abstimmung wäre vielleicht anders ausgefallen, wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, um die Bevölkerung über das Projekt zu orientieren.» Aus praktischen Gründen habe man die dringend benötigte Ufersanierung und das Veloweg-Projekt zu einem Paket geschnürt und der Gemeindeversammlung vorgelegt. «Es war ein Stimmungs-, wenn nicht sogar ein Zufallsentscheid.» Noch nie habe er so viele Menschen an der Gemeindeversammlung gesehen. «Jetzt haben wir aber genau das, was wir nicht wollten: Über die Ufersanierung wird separat abgestimmt werden, das Veloweg-Projekt müssen wir überarbeiten.»

Der Gemeinderat will sich nun mit den anderen Gemeinden austauschen und deren Entscheidungen abwarten. Neben Bremgarten sind auch Köniz, Bern, Ittigen und Zollikofen am Projekt beteiligt, das unter der Führung der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) steht. Durch die fünf Gemeinden soll entlang der Aare ein Uferweg entstehen, der auch für Velofahrer befahrbar ist. Der Entscheid aus Bremgarten könnte für die anderen Gemeinden Signalwirkung haben.

Ittigen befürchtet Widerstand

Als nächstes wird das Parlament der Nachbargemeinde Zollikofen über das Projekt und dessen Finanzierung befinden. Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP) ist von der Ausgangslage nicht begeistert. «Die Resultate aus Bremgarten sind gar nicht ideal. Wir werden dies in der politischen Diskussion sicher berücksichtigen.» Die Planung laufe aber vorerst weiter. «Wir wollen das Projekt zusammen mit den Partnergemeinden in die Hand nehmen.»

Der Ittiger Gemeinderat schnürt, wie jener von Bremgarten, ein Paket: Der Veloweg wird an ein Gesamtprojekt geknüpft, das auch die Renaturierung der Aare vorsieht. Die Abstimmung liegt zwar noch fern, gerade erst wurde das Projekt ausgeschrieben. «Es ist aber schade, geht Bremgarten nun nicht voran», sagt Gemeinderat Philipp Roth (Bürgervereinigung Ittigen). Er befürchtet auch in seiner Gemeinde Widerstand. «Bei uns werden vermutlich die Wassersportler betroffen sein und für Diskussionen sorgen.»

Veloweg nicht infrage gestellt

Jos Aeschbacher sieht das Projekt Aareschlaufen durch den Entscheid aus Bremgarten nicht infrage gestellt. «Wir haben den Gemeinden einen Richtplan vorgelegt, darin ist auch ein gewisser Spielraum vorgesehen», sagt der Raumplanungsleiter der RKBM. «Natürlich sind wir daran interessiert, dass sich die Gemeinden an den Richtplan halten.» Die Umsetzung liege aber in den Händen des Gemeinderats, und letztlich entschieden bei solchen Projekten die Stimmbürger. «Aus regionaler Optik sehe ich das Bedürfnis nach einem ufernahen Veloweg durchaus.» Der Gemeinderat in Bremgarten müsse sich nun überlegen, ob und wie das Vorhaben trotzdem realisiert werden könne.

Für den Bremgartner Gemeinderat Werner Meile (SP), der die regionale Begleitgruppe Aareschlaufen präsidiert, ist die Sache noch nicht vom Tisch. «Wir müssen zwar die Vorlage begraben, doch gibt es verschiedene Varianten, wie der ufernahe Fuss- und Veloweg auf einem anderen Trassee realisiert werden kann.» Der Gemeinderat werde diese bald prüfen. «Wir haben bei der RKBM eine Absichtserklärung unterschrieben. Unser Auftrag besteht nach wie vor.» Nun habe die Ufersanierung aber Priorität.

Der Bund