2019-05-21 21:04

Nun muss die BKW zurückrudern

Auch auf Bundesebene führen die Chefsaläre der staatsnahen Firmen immer wieder zu Kontroversen. Diese Lohn-Exzesse müssen durch verbindliche Regeln eingedämmt werden.

Gebündelte 1000-Franken-Scheine: Nicht nur der hohe Lohn der BKW-Chefin wird kritisiert.

Gebündelte 1000-Franken-Scheine: Nicht nur der hohe Lohn der BKW-Chefin wird kritisiert.

(Bild: Keystone Martin Ruetschi)

Suzanne Thoma leistet als BKW-Chefin gute Arbeit. Sie hat den Staatskonzern, der laufend an Wert verlor, auf neuen Kurs gebracht. Das Ende des AKW Mühleberg und das anspruchsvolle Projekt seines Rückbaus hat sie gut aufgegleist. Die BKW ist nun beweglicher, diversifizierter und schneidet wirtschaftlich im Branchenvergleich gut ab.

Dennoch hat der Regierungsrat recht, wenn er ihren letztjährigen Lohn von über zwei Millionen Franken als unangemessen hoch kritisiert – und als Risiko für den Ruf eines Unternehmens, das zwar an der Börse kotiert, aber auch dem Service public verpflichtet ist. Und zwar gleich doppelt: als Monopolist bei der Stromversorgung der Kleinkunden und als Firma, die mehrheitlich den Bürgern und Bürgerinnen des Kantons Bern gehört.

Solange beides so ist, müssen die Toplöhne der BKW in einer Bandbreite bleiben, die Normalverdiener als anständig und angemessen empfinden. Dass Thoma einen hohen Lohn entgegennimmt, kann man ihr natürlich nicht vorwerfen. Wohl aber dem BKW-Verwaltungsrat, der ein Vergütungsmodell ohne Gespür für dieses legitime Empfinden beschlossen hat.

Und der sich offensichtlich bis vor kurzem gesträubt hat, es zu korrigieren. Anders lässt sich nicht erklären, dass der Regierungsrat auf dem unüblichen Weg eines scharf formulierten Communiqués einen Kurswechsel anmahnen muss – bei einer mehrheitlich kantonseigenen Firma. Spätestens jetzt sollte der BKW-Verwaltungsrat realisiert haben, so ist zu hoffen, dass er die Toplöhne wieder senken muss.

Die BKW ist kein Einzelfall. Auch auf Bundesebene führen die Löhne der Bosse der staatsnahen Firmen immer wieder zu Kontroversen. Es ist an der Zeit, die Exzesse bei den Löhnen der Spitzenverdiener in diesem Sektor der öffentlichen Hand durch verbindliche Regeln einzudämmen. Es ist deshalb zu begrüssen, dass im Grossen Rat nun weit über die Linke hinaus Bestrebungen in Gang kommen, diese Frage für alle Firmen anzupacken, die mehrheitlich dem Kanton gehören.