2017-09-29 21:31

Keine Zukunft für die Erweiterung

Der Ausbau des Berner Kunstmuseums wurde durch die Beschwerde von Berner Architekten gestoppt. Nun entflammt erneut eine Standortfrage.

Vorerst werden nur die Klimaanlage und das Kunstdepot des Berner Kunstmuseums saniert.

Vorerst werden nur die Klimaanlage und das Kunstdepot des Berner Kunstmuseums saniert.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Am Berner Kunstmuseum verzichtet man bis auf weiteres auf das Projekt «Modernisierung Kunstmuseum Bern». Das teilte Jürg Bucher der Präsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee mit. Grund ist der Rechtsstreit mit 32 Berner Architekturbüros, die gegen den geplanten Umbau bei der Erziehungsdirektion Beschwerde eingelegt hatten. Sie taten dies, weil das Museum die Architekturleistungen des 40-Millionen-Projekts freihändig vergeben hatte. «Wir haben keine Zeit für eine rechtliche Auseinandersetzung», begründet Bucher das Einknicken.

Erst im Juni hatte der Stiftungsratspräsident das Projekt vorgestellt: Eine Sanierung der maroden Klimaanlage solle mit der Erweiterung der Ausstellungsfläche einhergehen. Arbeiten wurden ohne Ausschreibung vergeben, weil man befürchtete, die Klimaanlage könnte bald aussteigen.

Zugleich musste sich das Museum den Vorwurf der Vetternwirtschaft gefallen lassen: Erhalten hatte den Auftrag nämlich das Büro Jordi und Partner. Dessen Geschäftsleiter, Patrick Jordi, ist Mitglied der Stiftung Berner Kunsthalle, in der auch Museumsdirektorin Nina Zimmer sitzt.

Nun nimmt das Museum lediglich die Sanierung in die Hand und lässt die geplante Erweiterung für die Sammlung Gegenwartskunst vorerst fallen. Nächsten Sommer sollen die dringenden Arbeiten an der Klimaanlage ausgeführt und das Kunstdepot renoviert werden. Die Kosten von etwa sieben Millionen Franken soll der Kanton übernehmen. «Wie der Ausbau aussehen wird, wird der nun für ein neues Projekt durchzuführende Wettbewerb zeigen», sagte Bucher. Der Stiftungsrat sei bereit, ein qualifiziertes Wettbewerbsverfahren durchzuführen, teilte er mit. Wann dieser lanciert wird, ist noch unklar.

Aufschiebende Wirkung erhalten

Zeigt man sich nun einsichtig beim Museum? Nicht wirklich. Auf Anfrage hält Bucher daran fest, dass die freihändige Vergabe seiner Meinung nach wegen der Dringlichkeit rechtlich durchsetzbar wäre. Bisher hat die Erziehungsdirektion dazu keinen Entscheid gefällt.

Dennoch können die Architekten bereits einen kleinen Zwischenerfolg verbuchen: Der Beschwerde gegen die Vergabe von Architekturleistungen hat der Rechtsdienst der Erziehungsdirektion die aufschiebende Wirkung erteilt. Das bedeutet, dass es dem Kunstmuseum für die Dauer des Beschwerdeverfahrens untersagt ist, einen Vertrag über die Architekturleistungen abzuschliessen. Wie lange das Verfahren noch dauert, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Diese Zwischenverfügung sei ein erster Erfolg, sagte der Präsident der Berner Sektion des schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins, Christopher Berger. Ihn freue zudem, dass man sich beim Museum nun für ein Wettbewerbsverfahren ausspreche. Mit dem veröffentlichten Entscheid sei die Beschwerde der Architekten dennoch nicht obsolet. «Die veröffentlichte Medienmitteilung klärt nicht alle unsere Fragen – etwa ob für die Sanierung nun die Architekturleistungen ausgeschrieben werden.»

Standortwettbewerb gefordert

Dass das 40-Millionen-Projekt spätestens im Grossen Rat gescheitert wäre, glaubt GLP-Grossrat Thomas Brönnimann. Er hatte bereits im Juli eine Anfrage an den Regierungsrat gerichtet und darin die freihändige Vergabe kritisiert. Denn der Kanton Bern hätte sich mit 32 Millionen Franken am Ausbauprojekt beteiligen sollen. Brönnimann, zur Zeit Gemeindepräsidiumskandidat in Köniz, wünscht sich, dass das Museum bei der Planung nun wieder bei Null anfängt: «Man kann das Ganze als Chance sehen, damit in einem Standortwettbewerb und anschliessend in einem Gebäudewettbewerb ein besseres Projekt entsteht, das die Kulturstadt Bern echt aufwertet und die Sammlung moderner Kunst würdig zur Geltung bringt.» Ähnliches empfiehlt auch Architekt Berger dem Museum: «Es braucht nun eine öffentliche Diskussion über Standort und Erweiterung der Sammlung», sagte er.

Es scheint, als würde man am Kunstmuseum diese Diskussion scheuen: «Die Erweiterung der Ausstellungsfläche ist für die Gegenwartskunst notwendig und diese ist örtlich an das Kunstmuseum gebunden», liess Bucher auf Nachfrage schriftlich mitteilen. Die Erfahrung in der Museumslandschaft zeige, dass eigene Häuser nur für Gegenwartskunst es sehr schwer hätten.

Der Bund