2019-05-24 21:11

Immer mehr Berner Eltern unterrichten Kinder daheim

Innert zehn Jahren hat sich die Zahl der zu Hause unterrichteten Kinder im Kanton Bern mehr als verdreifacht.

Mit Homeschooling die «Familienkultur bereichern»: Eltern lesen mit Kindern ein Buch.

Mit Homeschooling die «Familienkultur bereichern»: Eltern lesen mit Kindern ein Buch.

(Bild: Keystone Archiv)

  • Christoph Aebischer

    @cab1ane

  • Mireille Guggenbühler

Im laufenden Schuljahr bleiben im Kanton Bern 576 schulpflichtige Kinder daheim. Den Unterrichtsstoff erhalten sie von den Eltern vermittelt. Das ist Rekord. Zwar sind 576 Schulkinder im Vergleich zur Gesamtzahl von fast 110000 Schulkindern und Kindergärtlern wenig. Und doch ist die Zunahme beim Homeschooling frappant: Innert zehn Jahren hat sich die Zahl mehr als verdreifacht.

Erwin Sommer, Vorsteher des bernischen Amts für Kindergarten, Volksschule und Beratung, hat keine einfache Erklärung parat für diese Entwicklung. Seit 2008 würden sogar strengere Bedingungen gelten für Eltern, welche die obligatorische Schulpflicht in Eigenregie erfüllen möchten. Sie müssen sich von einer pädagogisch ausgebildeten Person beraten lassen. Die Schulbehörden überprüfen regelmässig den Lernerfolg der Kinder. Denn sie müssen denselben Lernstoff vermittelt erhalten wie alle anderen. Es kommt vor, dass die Behörden danach eine Rückkehr in die Schulklasse verfügen. Wer den Anordnungen nicht Folge leistet, riskiert eine Busse. Die Gründe, die Eltern dazu bringen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, sind laut Sommer unterschiedlich. Den Ausschlag können individuelle Schwierigkeiten geben, wie im Fall einer Familie im Berner Jura. Der «Bund» hat sie in Renan besucht.

Vereinzelt begegnet Sommer der Vorstellung, dass Eltern ihren Kindern möglichst viel Freiraum gewähren wollen. Allerdings, warnt er, nähmen sie damit einen riesigen Aufwand in Kauf. Ihm ist wichtig, dass die Volksschule ihre heutige Qualität bewahren und eine Schule für alle bleiben kann. Das klappt jedoch nicht immer. Die alleinerziehende Mutter im Berner Jura sah für ihren nun erwachsenen Sohn jedenfalls keinen anderen Ausweg, als ihn von der Schule zu nehmen und ihn zu Hause frei lernen zu lassen. Das trug ihr sogar ein paar Tage Gefängnis ein.

Es ist das häufigste Familien­modell: Die Mutter ist Teilzeit erwerbstätig, der Vater Vollzeit (mindestens 90 Prozent). Aber ist es auch das ideale Modell? Was ist Ihre Meinung? Wie organisieren Sie die Familien- und Erwerbsarbeit? Ist das von Ihnen gewählte Modell für Sie ideal oder den Umständen geschuldet? Was fehlt Ihnen zum idealen Modell? Braucht es einen Vaterschaftsurlaub? Diskutieren Sie mit!