2019-02-15 18:55

Bern ist nicht so träge, wie manche sagen

Die Ansiedlung des WABCO-Konzerns zeigt: Der Wirtschaftsstandort Bern ist besser als sein Ruf. Dennoch kann der Kanton die Hände nicht in den Schoss legen.

Der derzeitige Geschäftssitz von WABCO-Schweiz an der Berner Freiburgstrasse.

Der derzeitige Geschäftssitz von WABCO-Schweiz an der Berner Freiburgstrasse.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

  • Simon Wälti

    Simon Wälti

Nicht konkurrenzfähig, rote Laterne, abgehängt – immer wieder wird gesagt, der Kanton Bern habe den Anschluss verloren. Weniger Wirtschaftswachstum als andere Kantone, Grossbezüger im Finanzausgleich. Und ändern wolle man nichts, das habe das Nein zu tieferen Firmensteuern im November gezeigt. Aber der Kanton Bern ist besser als sein Ruf.

Das zeigt die jüngste Ansiedlung des Milliardenkonzerns Wabco in Bern. Es geht zunächst um 40 Mitarbeitende, doch wenn diese alle einmal im Kanton Bern Wohnsitz nehmen, und nicht in Solothurn oder Freiburg, kommt einiges an Steuern zusammen. Und der Plan, in Bern ein Technologiezentrum aufzubauen, wirkt konkret. Trotz hohem Steuerniveau zieht es internationale Unternehmen also in den Kanton. Und bereits Ansässige bauen aus. Auch Uhrenfirmen wie Swatch mit dem neuen Prestigebau des Stararchitekten Shigeru Ban in Biel.

Der Kanton Bern hat punkto Technologie und Innovation viel zu bieten. Es gibt motivierte und gut ausgebildete Arbeitnehmer. Auch die Behörden können im direkten Kontakt offenbar punkten. Hinzu kommt die Stabilität des Polit-Systems in der Schweiz. Zusätzlich verfügt der Kanton im Kampf um die Ansiedlung von Unternehmen über eine Geheimwaffe: Er kann über zehn Jahre hinweg, die Firmen ganz oder teilweise von Gemeinde- und Kantonssteuern befreien. Wer alles davon profitiert, darüber schweigen die Behörden unter Berufung auf das Steuergeheimnis. Aber auch Wabco dürfte in den Genuss einer wesentlichen Erleichterung gelangen, so wie etwa der Apotheken-Riese Walgreens Boots Alliance mit Sitz in Bern oder CSL Behring mit seinem neuen Standort in Lengnau. Walgreens sparte dank der kantonalen «Tax Holidays» im letzten Jahr 127 Millionen Dollar.

Trotzdem: Der Kanton Bern kann mit Verweis auf den jüngsten Erfolg die Hände nicht in den Schoss legen. Das Steuerniveau in der Schweiz ist im Fluss. Der Regierungsrat muss Lösungen suchen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Kantons verbessern – und die an der Urne mehrheitsfähig sind.