2019-05-21 21:44

Die Randalierer stammen aus Bern und Umgebung

Die Samstagsrandalierer sind keine Krawalltouristen. Bürgerliche fordern eine Sistierung der Reitschule-Mietzahlung.

In der Nacht auf Sonntag 19. Mai haben organisierte Aktivisten Barrikaden und Autos in Brand gesetzt.

In der Nacht auf Sonntag 19. Mai haben organisierte Aktivisten Barrikaden und Autos in Brand gesetzt.

(Bild: Jürg Spori)

Auch die Reitschule hat die Ausschreitungen von letztem Samstag in Bern missbilligt. Dies liess das Gerücht aufkommen, dass es sich bei den Randalierern um «Krawalltouristen» handelt. Doch dem ist nicht so, wie die Kantonspolizei auf Anfrage bestätigt. Sieben der neun angehaltenen Schweizer stammten aus dem Kanton Bern, sagt Polizeisprecherin Ramona Mock. Dabei seien vier Personen in der Stadt Bern und drei im Verwaltungskreis Bern-Mittelland angemeldet. Die restlichen beiden stammten aus den Kantonen Freiburg und Solothurn. Die fünf polizeilich ausgeschriebenen Personen wurden «wo nötig den zuständigen Institutionen zugewiesen», sagt Mock.

Das Problem ist also hausgemacht. Und ähnlich vertraut klingen die Aussagen zum «Wie weiter?», die zurzeit kursieren. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) nahm die Reitschule-Betreiber am Tag danach zwar in Schutz. Er sprach gleichzeitig aber auch von möglichen «Massnahmen», die nun zu prüfen seien. Was er genau damit gemeint hat, bleibt nebulös.

SVP will Debatte im Stadtrat

Eine Gelegenheit zur Stellungnahme soll der Stadtpräsident am Donnerstag erhalten. Die SVP will im Berner Stadtrat einen Antrag zu einer Debatte aus aktuellem Anlass stellen. «Wir wollen vom Gemeinderat insbesondere wissen, wie er sich den Schutz von Reitschule-Besuchern und Passanten vorstellt», sagt Fraktionschef Alexander Feuz. Die SVP will zudem eine dringliche Motion einreichen, in der sie eine temporäre Schliessung des Betriebs, eine Sistierung der Subventionen und vor allem «griffigere Klauseln» in der Sicherheitsvereinbarung fordert, die Bestandteil des Leistungsvertrages ist.

Dabei geht es etwa um die Kennzeichnung von Ansprechpartnern für die Behörden. Zudem sollen im Sicherheitsbereich dieselben Vor­schriften gelten wie in anderen Gastrobetrieben, sagt Feuz. Eine Streichung der Mietsubvention fordert auch Michael Daphinoff, Chef der Fraktion BDP/CVP. Er sei sich bewusst, dass es sich dabei eher um einen «symbolischen Akt» handle. Die Bestimmung eines weiteren externen Mediators bringe jedenfalls nichts, sagt Daphinoff unter Anspielung auf den Basler Trou­bleshooter Thomas Kessler und Alt-Bundesrichter Hans Wiprächtiger, die in den letzten Jahren vom Gemeinderat beauftragt waren.

«Teil des Stadtzentrums»

Im Übrigen müsse endlich mit der Umgestaltung der Schützenmatte vorwärtsgemacht werden, sagt Daphinoff. Die Zwischennutzung sei zwar begrüssenswert und müsste mehr Raum erhalten. «Aber die Nutzung dieses Raums darf nicht ewig ein Provisorium bleiben.» Eine Nutzung der Flächen unter dem Viadukt etwa könnte die Situation auf dem Vorplatz beruhigen, sagt Daphinoff. Auch FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher will bei der definitiven Gestaltung der Schützenmatte endlich Resultate sehen. «Der Vorplatz muss Teil des Stadtzentrums werden.» Seit Jahren fordere die FDP ein klares Konzept wie zum Beispiel eine Überbauung oder die Errichtung eines Hochhauses. «Da muss es mal vorwärtsgehen.»

Immerhin sei mit der Planung eines Jugendclubs ein Schritt getan worden, um Jugendliche vom Vorplatz wegzubringen. Einen ähnlichen Effort brauche es auch für einen Umzug der Anlaufstelle, um die Drogenszene fernzuhalten. Und schliesslich müssten endlich die längst bekannten Sicherheitsregeln durchgesetzt werden. «Dazu gehört auch die Streichung der Mietsubvention, falls Auflagen nicht eingehalten werden», sagt Eicher.