2019-08-12 21:21

US-Eltern kaufen massiv mehr kugelsichere Schulrucksäcke

Nach den Massenmorden in El Paso und Dayton geht bei Eltern die Angst um. Sie lassen sich die Sicherheit ihrer Kinder etwas kosten.

Die Kugel dringt nicht durch: Der Chef der Firma Tuffypacks schiesst auf einen Kinderrucksack. Video: AP

Etui, Schreibblock, Bücher – und eine Körperpanzerung: So rüsten viele amerikanische Eltern derzeit ihre Kinder aus. Vor dem Start des neuen Schuljahres in etlichen US-Bundesstaaten finden kugelsichere Rücksäcke reissenden Absatz. Denn nach den jüngsten Massenmorden ist die Stimmung besonders nervös.

Am letzten Wochenende feuerte ein Mann in der texanischen Stadt El Paso um sich, 22 Menschen starben. In Dayton, Ohio, tötete ein Schütze neun Menschen. Seither ist der Verkauf schusssicherer Rucksäcke nach oben geschnellt. Bei der Firma Bullet Blocker sind die Verkaufszahlen gemäss CNN um 200 Prozent gestiegen, bei Tuffypacks sogar um 300 Prozent. Und der Anbieter Ready To Go Survival verkaufte laut der Lokalzeitung «Houston Chronicle» innerhalb weniger Tage 300 solcher Schulrucksäcke – dreimal so viele wie sonst in einem ganzen Monat.

«In den Tagen und Wochen nach Schusswaffenangriffen steigt der Absatz immer an», sagte Tuffypacks-CEO Steve Naremore gegenüber CNN. Zudem nimmt die Nachfrage jeweils vor dem Start des Schuljahres zu. Sogar grosse Warenhäuser verkaufen mittlerweile gepanzerte Schultheke, auch schon für Kindergärtler.

Die Preise liegen zwischen 99 und 490 US-Dollar. Beliebt ist zum Beispiel der «Pro Shield Scout», der laut dem Hersteller Guard Dog «Level-3A-Schutz» bietet. Das bedeutet, die Tasche kann Kugeln einer 9-Millimeter-Pistole, einer 44er-Magnum und sogar Shotgun-Munition abwehren. Nur gegen Gewehrschüsse ist sie nutzlos.

Die Rucksäcke sollen wie eine Rüstung wirken und zumindest den Oberkörper des Kindes vor Patronen schützen. Dass viele amerikanische Eltern darauf anspringen, mag befremdlich wirken. Ihre Angst ist jedoch nicht unbegründet: In den letzten zwanzig Jahren hat die Zahl der Schiessereien und Amokläufe an US-Schulen deutlich zugenommen.

Alleine 2018 musste die Polizei 97-mal einschreiten, weil in einem Kindergarten oder einer Schule eine Waffe zum Einsatz kam. In grossen Teilen der USA gibt es jährlich 180 Schultage. Das heisst also: Im Durchschnitt ereignete sich jeden zweiten Tag eine Schiesserei. Dabei wurden 56 Kinder und Jugendliche getötet und 109 weitere verletzt – beides Rekord.

So soll der Rucksack Schutz bieten: Die Tochter von Joe Curran, dem Hersteller von Bullet Blocker, illustriert die Verwendung im Ernstfall. Foto: Reuters

Trotzdem gibt es Kritik. Die Hersteller würden mit den Ängsten der Eltern Profit machen, heisst es etwa. Und es werde eine falsche Sicherheit vorgetäuscht. Im Ernstfall nütze ein kugelsicherer Schulthek wenig, weil bei Massakern oft Sturmgewehre zum Einsatz kämen.

Viele Eltern schickten ihre Kinder dank dem Rucksack mit einem besseren Gefühl in die Schule, entgegnen die Anbieter. Zudem bediene man nur einen Bedarf, der in den vergangenen Jahren nun mal stark zugenommen habe.