2019-02-05 09:42

«Lara fährt nicht zum Spass»

Fünf Wegbegleiter analysieren Gut-Behrami, die zum Auftakt der Titelkämpfe in Are zu den Favoritinnen im Super-G zählt.

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«Lara muss erst das Gleichgewicht finden.»Pauli Gut (61) ist Vater und Trainer zugleich. Seit 2014 ist er im Mandatsverhältnis von Swiss-Ski angestellt.

«Bei Lara ist viel passiert: Zuerst kam die Verletzung, dann die Hochzeit – sie muss erst einmal das Gleichgewicht finden. Früher drehte sich alles ums Skifahren, heute gibt es auch anderes. Das heisst nicht, dass sie nicht zu 100 Prozent bei der Sache ist. Im Gegenteil, ich spürte zuletzt, dass sie noch mehr tun wollte, fast zu viel. Dadurch verlor sie an Natürlichkeit und Spritzigkeit. Im Super-G aber bringt sie noch immer die ideale Mischung aus Instinkt, Geschwindigkeit und schnellem Reagieren mit.» (rha)

«Zentral ist die Arbeit im mentalen Bereich.»Karl Frehsner (79), die Trainerlegende aus Österreich, gehörte als Berater eine Zeit lang zum Betreuerstab des Team Gut.

«Wenn Lara fährt, habe ich manchmal das Gefühl, jemand anderem zuzusehen. Sie ist defensiver unterwegs als früher, das ist nicht erstaunlich, weil sie schwer verletzt war. Sie muss ihr Vertrauen wiederfinden, zentral ist die Arbeit im mentalen Bereich. Lara ist nicht der Typ, der zum Spass Rennen fährt – sie muss über kurz oder lang ganz vorne sein. Sollte anderes wichtiger geworden sein als die Karriere, muss sie sich grundsätzlich hinterfragen. Aber das kann ich mir nicht vorstellen.» (phr)

«Das Privatleben ist ihr nun das Wichtigste.»Joana Hählen (27) trainiert regelmässig mit Gut-Behrami, beide gehören zum Schweizer Nationalteam.

«Lara wirkt extrem glücklich. Für sie hat sich einiges geändert, das Privatleben ist ihr nun das Wichtigste. Sie nimmt sich Freiheiten heraus, reiste während des Trainingslagers in Südamerika für ein paar Tage nach Hause zu Valon. Sie scheint mehr auf sich ­fokussiert zu sein als früher, setzt vielleicht andere Prioritäten. Aber das muss nicht schlecht sein, ich würde ihre Resultate nicht damit begründen. Alles in allem erfährt man von Lara weniger als auch schon, weil sie nicht mehr auf ­Social Media präsent ist.» (phr)

«Harmonie zwischen Ski und Athletin fehlt.»Der Österreicher Rainer Salzgeber (51) ist Rennsportleiter der Skifirma Head, bei welcher Gut-Behrami unter Vertrag steht.

«Zwei Podestplätze in diesem Winter sind zu wenig, ganz klar. Und doch glaube ich, dass Lara nicht weit weg ist von der Spitze. Noch fehlt die Harmonie zwischen Ski und Athletin, Lara fährt nicht mit der Selbstverständlichkeit, die sie früher hatte. Das sieht man im Riesenslalom, wo sie die Kurven zu stark andriftet. Natürlich haben wir übers Material gesprochen, aber es bleibt kaum Zeit, Veränderungen vorzunehmen. Das Privatleben kann bei ihr schon Einfluss haben, positiv wie negativ.» (phr)

«Es ist eine Frage der Einstellung.»Der Berner Oberländer Stefan Abplanalp (45) war bis 2012 Trainer der Schweizer Speedfahrerinnen.

«Bei Lara ist alles extrem, wenn es läuft, aber auch, wenn es nicht läuft. Es ist sehr belastend, wenn man andauernd kritisiert wird. Nun kann sie das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit an einem Grossanlass mehr gewinnen als verlieren. Ich denke, sie versucht sich wieder stärker auf den Sport zu konzentrieren als noch im Sommer. Es ist eine Frage der Einstellung: Noch fehlt die Überzeugung, jedes Rennen gewinnen zu können. Trotzdem: Eine Medaille im Super-G würde mich nicht überraschen.» (phr)