2016-12-20 07:30

Die gute Seite der schneelosen Weihnacht

Für weisse Weihnachten ist es zu kalt. Gefrorene Bergseen trösten darüber hinweg.

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  • Rosanna Steppat

Es waren Bilder, die um die Welt gingen: Tausende Eisläufer zog es vergangenes Jahr kurz vor Weihnachten auf den ­Oeschinensee oberhalb von Kandersteg. Dank guter Bedingungen war das Eis des Bergsees zum ersten Mal seit knapp zwanzig Jahren wieder blankgefroren, sodass man darauf «schlöfle» konnte. Ein Foto der beeindruckenden Natureisbahn schaffte es sogar in die renommierte US-Zeitung «Wall Street Journal».

Wer in diesem Jahr bereits die Kufen seiner Schlittschuhe gewetzt hat, muss sich jedoch noch in Geduld üben. «Zurzeit ist der See nicht gefroren», sagt der Marketingverantwortliche der Gondelbahn Kandersteg Oeschinensee AG, Christoph Wandfluh. Angesichts der Temperaturen um den Gefrierpunkt sei man jedoch zuversichtlich, dass sich bis zum Weihnachtsfest eine genügend dicke Eisschicht bilde. Es seien zudem schon alle Vorbereitungen getroffen worden, um an den «Hype des vergangenen Jahres» anknüpfen zu können, so Wandfluh. «Im Fall der Fälle können wir schnell eröffnen. Ein Verpflegungs- und ein Glühweinstand sowie Parkmöglichkeiten sind bereits arrangiert.»

Eislauf-Premiere am Stockhorn

Wer nicht warten und auf Natur- statt auf Kunsteis seine Runden drehen will, kann die etwa dreissigminütige Anreise zum Stockhorn auf sich nehmen. Zum ersten Mal überhaupt habe man den Hinterstockensee in diesem Jahr fürs Eislaufen freigeben können, sagt der Marketingleiter der Stockhornbahn AG, Michael Künzi. Nach einer aussergewöhnlich langen Schönwetterperiode ohne Regen und mit tiefen Temperaturen habe man auf tragfähiges Schwarzeis gehofft, so Künzi. Die Hoffnungen wurden erfüllt. Die achtzehn Zentimeter dicke Eisschicht ist seit vergangenem Samstag für Besucher begehbar. Spontan habe man ein Verpflegungsangebot, einen Schlittschuhverleih sowie einen Sicherheitsdienst organisiert, so Künzi. Bei der Eröffnung sei das Gästeaufkommen gross und die Stimmung «einzigartig» gewesen. Normalerweise zieht es Besucher in der kalten Jahreszeit zum Eisfischen an den Hinterstockensee. Laut Künzi werden die Eisläufer den Eisfischern jedoch nicht in die Quere kommen: «Grundsätzlich beginnt die Eisfisch-Saison erst Anfang Januar. Bis dahin können wir uns eine neue Gästegruppe erschliessen.» Gerne würde man das Eislaufangebot über Weihnachten hinaus aufrechterhalten, sagt er. Die geringe Menge Neuschnee am Montagmorgen habe man leicht wegbürsten können. Grössere Schneemengen vom Eis zu bringen, wäre laut Künzi jedoch problematisch.

Mit der stärksten Eisschicht seit Jahren kann auch der Schwarzsee im Kanton Freiburg aufwarten. Durch die konstant tiefen Temperaturen habe das Eis in der vergangenen Zeit eine besonders feste Struktur entwickeln können, sagt Adolf Kaeser von Schwarzsee Tourismus. Den gestrigen Schneefall nimmt er gelassen. Schnee auf der Eisfläche sei sogar ein Vorteil: «Einen Teil der Eisfläche lassen wir glatt für Eisläufer und Eishockeyspieler. Die restliche mit Schnee bedeckte Fläche könnten Skifreunde zum Langlauf nutzen.»

Kein Eis auf dem Berner Egelsee

Vor vier Jahren konnte man auch in der Stadt Bern über Natureis gleiten, als sich auf dem Egelsee eine tragfähige Eisfläche gebildet hatte. Laut Patrick Sutter vom Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leist, der zuständig ist für den Eisbetrieb auf dem See, ist das Zufrieren des Gewässers jedoch in diesem Jahr nicht absehbar. Im Moment sei lediglich eine sehr dünne Eisschicht auf dem Wasser. «Ich rate unter allen Umständen davon ab, aufs Eis zu gehen», so Sutter. Was nicht ist, kann jedoch noch werden: Auch 2012 war das Eis des Egelsees erst Anfang Februar so dick, dass die Eisfläche offiziell eröffnet werden konnte. In Zeiten der Klimaerwärmung werden lange Kälteperioden und somit zugefrorene Seen laut Roger Perret von Meteo News immer seltener. In den letzten dreissig bis vierzig Jahren sei die Durchschnittstemperatur in der Schweiz um etwa ein Grad Celsius angestiegen, sagt der Wetterexperte. Generell gelte: Je grösser der See ist, desto länger muss die Kälteperiode sein, die ihn zum Gefrieren bringt. Bei Bergseen seien die Bedingungen jedoch günstiger, da sich in Tälern öfter kalte Luft staue als über Seen im Flachland.

Wer sich weisse Weihnachten wünscht und gleichzeitig am Wochenende inmitten einer Naturkulisse übers Eis gleiten will, der muss seine Erwartungen herunterschrauben: Wenn die Luft eisig und trocken ist, ist die Wahrscheinlichkeit für Schnee praktisch gleich null.

Der Bund