2014-04-15 10:54

Auch Velofahrer sollen ans Aareufer gelangen können

Als erste von fünf Gemeinden legt Bremgarten ein Bauprojekt zu einem gemeinsamen Velo- und Fussweg entlang der Aare vor. Den grössten Abschnitt hat die Stadt Bern zu sanieren. Stadtpolitiker sind skeptisch.

Diese Treppe bleibt. Über einen neuen Weg sollen aber auch Velofahrer zum Uferweg bei Bremgarten gelangen.

Diese Treppe bleibt. Über einen neuen Weg sollen aber auch Velofahrer zum Uferweg bei Bremgarten gelangen.

(Bild: Adrian Moser)

  • Janina Gehrig

Zwischen Köniz und Bremgarten sollen Velofahrer bald dem Lauf der Aare folgen können, wenn sie im Sommer zu einem Brätliplatz gelangen oder baden gehen wollen. So sieht es das Kooperationsprojekt Aareschlaufen vor, das die fünf Gemeinden Bremgarten, Zollikofen, Ittigen, Bern und Köniz gemeinsam und unter Federführung der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) seit 2008 ausarbeiten. In der Gemeinde Bremgarten liegt nun das erste Bauprojekt vor, das gestern den Medien präsentiert wurde.

Geplant ist, auf der einen Seite der Aare einen reinen Fussweg, auf der anderen Seite einen kombinierten Fuss- und Veloweg einzurichten (siehe Grafik). Bisher waren die Uferwege fast ausschliesslich Fussgängern vorbehalten. «In Bremgarten muss der Uferbereich ohnehin saniert und befestigt werden, damit der Weg nicht abrutscht», sagt Werner Meile, Präsident der Begleitgruppe Aareschlaufen und Gemeinderat von Bremgarten. Im Zuge dessen habe man das Wegnetz ausgearbeitet. Dafür müssen die Strässchen stellenweise auf zweieinhalb bis drei Meter verbreitert und neu signalisiert werden. Neu soll der Uferweg an die Aeschenbrunnmattstrasse angebunden werden. Dafür wird ein neuer Weg geschaffen. «Wir wollen den Weg nicht für Raser freigeben. Die Idee ist, dass es ein Fussweg bleibt, auf dem Velofahren im Schritttempo gestattet ist», sagt Meile.

Dies betont auch Jos Aeschbacher, Leiter Fachbereich Raumplanung RKBM. «In erster Linie wollen wir die Zugänge zum Erholungsraum verbessern. Es soll nicht eine Rennbahn für Pendler und Sportler entstehen, sondern ein Weg für Leute, die spazieren fahren.» Anfang Juni befindet die Gemeindeversammlung über den notwendigen Kredit. Kommt dieser durch, rechnet man laut Meile mit einer Bauzeit von vier Monaten. Auch in Zollikofen soll das Bauprojekt bis im Sommer fertiggestellt und der Kredit dem Parlament vorgelegt werden. «Das Velo- und Fusswegnetz muss vielen Ansprüchen genügen. Schwimmer, Fussgänger, Velofahrer und Jogger sollen besser aneinander vorbeikommen. Das ist es uns wert», sagt Daniel Bichsel, SVP-Gemeindepräsident von Zollikofen. In Köniz ist das Vorprojekt bereits abgeschlossen, die Gemeinde Ittigen wiederum integriert den Velo- und Fussweg in ein Gesamtprojekt, das den Bereich Worblaufen umfassend aufwerten soll.

Unklare Situation bei Lorrainebad

Bis Ende 2015 soll der gesamte Weg fertiggestellt sein. Ob das Bauprojekt tatsächlich realisiert wird, hängt von der Stadt Bern ab. Sie hat den grössten Teil des insgesamt rund 16 Kilometer langen Wegnetzes stellenweise neu zu gestalten. «Wir sind dabei, verschiedene Fragen abzuklären», sagt Urs Gloor, Verkehrsplaner der Stadt Bern.

Beim Bereich Lorrainebad, zwischen Altenbergsteg und Wylerwehr, seien die Wege zu schmal. «Noch steht nicht fest, auf welcher Seite die Velos durchfahren sollen.» Wie teuer die Massnahmen die Stadt Bern zu stehen kommen, könne noch nicht genau beziffert werden. Anfang nächstes Jahr befindet der Stadtrat darüber.

Skeptische SVPler und Fussgänger

Schon jetzt steht fest: Das Projekt wird auf Widerstand stossen. SVP-Stadtrat Alexander Feuz, der sich in mehreren Vorstössen gegen «rowdyhafte Velofahrer» eingesetzt hatte, lehnt das Projekt «klar ab», wie er sagt. «Sie sollen im Schritttempo fahren? Wers glaubt. Gerade zwischen Schönausteg und Eichholz sind im Sommer dermassen viele Badende und Hunde unterwegs. Das ist zu gefährlich.» Zudem sei es unsinnig, für die Verbreiterung der Wege einen Hang abzutragen.

Skeptisch ist auch Gisela Vollmer, SP-Stadträtin und Geschäftsführerin des Vereins Fussverkehr Kanton Bern. «Der Platz ist viel zu eng für zwei sich kreuzende Velos und Fussgänger.» Es finde ein «unglaublicher Verdrängungsprozess statt» auf Kosten der Wanderer und Fussgänger, die in Ruhe spazieren wollten. Akzeptabel wäre ihrer Ansicht nach einzig eine Lösung, die für Velofahrer eine eigene Spur vorsieht, wie dies beim Gaswerk-Areal Richtung Wabern der Fall ist.Ihr Rats- und Parteikollege David Stampfli, der den Verband Pro Velo Bern präsidiert, begrüsst hingegen das Projekt. Das Miteinander sei auf jeden Fall möglich. «Wichtig ist, dass die Wege genug breit und entsprechend signalisiert sind», sagt er. Pendler sollten seiner Meinung nach weiterhin die Velorouten benützen. Auch diese seien zu verbessern.

Das Projekt Aareschlaufen sieht neben dem Wegnetz für den Langsamverkehr weitere Massnahmen vor. So soll die Gegend renaturiert werden, einheimische Tier- und Pflanzenarten sollen wieder mehr Platz bekommen. Zudem werden Konzepte für zehn publikumsintensive Orte (Hotspots) ausgearbeitet.

Der Bund