2014-11-21 18:46

«Ich muss mich nicht verstecken»

In Bremgarten wird am 30. November der Nachfolger des zurückgetretenen Gemeindepräsidenten Dominique Folletête (FDP) gewählt. Die SP habe jetzt die Chance, das Präsidium in Bremgarten zu erobern, sagt Andreas Schwab.

Der Kindergarten an der Freudenreichstrasse soll durch einen Neubau ersetzt werden. «Es braucht eine Lösung», so Andreas Schwab.

Der Kindergarten an der Freudenreichstrasse soll durch einen Neubau ersetzt werden. «Es braucht eine Lösung», so Andreas Schwab.

(Bild: Adrian Moser)

  • Simon Wälti

    Simon Wälti

Er sei nahe bei den Leuten, engagiere sich für Bremgarten und sei motiviert, sagt Andreas Schwab. «Beruf und Politik lassen sich bei mir gut vereinbaren.» Der 43-jährige Historiker ist selbstständiger Ausstellungsmacher und Projektleiter. «Ich bin ein Unternehmer, der sich in ­einem kompetitiven Bereich behaupten muss», sagt der zweifache Familien­vater. Da müsse man «ein grosses Engagement» an den Tag legen. Deshalb ärgert es ihn, wenn ihm einfach das Etikett Kulturschaffender umgehängt wird. «Das suggeriert, ich könne nicht mit den Finanzen umgehen.» Das könne er sehr wohl, versichert er.

Er wolle die Finanzsituation der Gemeinde verbessern und einen «nachhaltigen Umgang mit den Gemeindefinanzen pflegen», gibt er auf seinem Flyer bekannt. Es brauche aber auch langfristige Investitionen, um die Lebensqualität zu sichern. «Wenn man nichts macht, hat man später auch nichts mehr im Dorf.» Dass die SP Mühe mit Finanzen habe, sei ein Vorurteil, sagt Schwab, der den früheren Bieler Stadtpräsidenten und SP-Ständerat Hans Stöckli als ein «Vorbild» bezeichnet – wegen seiner ­gewinnenden Art und seines erfolg­reichen Standortmarketings für Biel.

Schwab ist überzeugter Velofahrer und Mitglied der IG Pro Velo. In sein Büro in der Berner Lorraine fährt er denn auch meist mit dem Fahrrad. Für Velotouren – nun auch mit dem Kinderanhänger – schlägt sein Herz noch immer, auch wenn diese kürzer sind als früher. «Im Alter von 16 bis 25 Jahren war ich wochenlang durch Europa und über die Alpenpässe unterwegs.»

In Bremgarten ist Schwab als Gemeinderat für das Ressort Bildung verantwortlich. Wie sein Gegner Andreas Kaufmann ist er seit drei Jahren im Amt. Gerade die Bildung sei ein sehr anforderungsreiches Ressort, sagt er. Man könne aber auch etwas bewegen. Schwab nennt zum Beispiel die Einführung der Schulsozialarbeit oder den Aufbau einer Ferienbetreuung in der Tagesschule. Bremgartens Bevölkerung ist stark gewachsen. Die Eröffnung einer sechsten Kindergartenklasse steht an, und die Tagesschule platzt laut Schwab denn auch aus allen Nähten. «Jeweils am Dienstag werden 67 Kinder betreut, ausgelegt ist die Tagesschule aber auf 30 Kinder. Weil der Mittagstisch in der Unterstufe ab 2015 wegfällt, muss die Tages­schule erweitert werden.» Am 1. Dezember entscheidet die Gemeindeversammlung über den ­geplanten Ausbau.

«Gemeinde und Gemeinschaft»

«Das Schulressort ermöglicht aber auch, mit vielen Personen ins Gespräch zu kommen.» Schwab sagt, die SP habe nun die Chance, das Gemeindepräsidium zu erobern. Das letzte Mal war dies 1938 mit Jakob Eberhard, der bis 1951 im Amt war, der Fall. «Ich muss mich nicht verstecken», sagt er. Man könne nicht einfach die Wähleranteile auf beiden Seiten zusammenzählen. Es handle sich um eine Persönlichkeitswahl. «Innerlich konnte ich mich kaum vorbereiten.» Durch den plötzlichen Wahlkampf wurde Schwab ins kalte Wasser geworfen. In der SP wurden aber bereits Gespräche für die ordentlichen Wahlen im nächsten Jahr geführt.

Würde Schwab gewählt, so will er sich für «Gemeinde und Gemeinschaft» einsetzen. Die Nähe zu den Bürgern sei wichtig. «In Bremgarten sollen sich die Menschen vom Kleinkind bis zu den Senioren wohlfühlen.» Verbessern liesse sich die Begegnungszone im Dorfzent­rum, findet er. Hier passiere noch zu wenig. Kein vordringliches Ziel sei es, weiteres Bauland einzuzonen. «Bremgarten hat eine kompakte Siedlungsfläche und ist zum grossen Teil gebaut.» Allerdings hält es Schwab für möglich, dass ein ­gewisser Druck auf das Landwirtschaftsland im Fussacker aufkommen könnte. «Diese Grünfläche ist eine Art Viererfeld von Bremgarten. Doch in den nächsten Jahren ist nicht geplant, diese Freifläche zu überbauen.»

Der Bund