2019-02-14 22:20

Anwohner schlagen Amazon in die Flucht

Amazon wollte eigentlich neue Büros in New York eröffnen. Nun ist der Protest der Anwohner und Politiker dem Online-Riesen aber zu gross geworden.

Proteste wegen Steuervergünstigungen: New York wird keine grosse Filiale des Handelsunternehmens bekommen. (14. November 2018)

Proteste wegen Steuervergünstigungen: New York wird keine grosse Filiale des Handelsunternehmens bekommen. (14. November 2018)

(Bild: Keystone Bebeto Matthews (AP))

Amazon gibt auf: Der Internetkonzern wird doch nicht einen zweiten Konzernsitz in New York eröffnen. Eigentlich wollte das Unternehmen in einer relativ armen Gegend des Stadtteils Queens rund 25'000 neue Jobs schaffen. Dafür sollte Amazon drei Milliarden Dollar Subventionen bekommen.

Anwohner hatten Amazons Ansiedlung dagegen kritisiert, weil sie steigende Mieten fürchteten, wenn viele gut bezahlte IT-Fachkräfte in die Nachbarschaft gezogen wären. Lokalpolitiker geisselten die Subventionen als unverhältnismässig. Teil des Pakets war auch ein Hubschrauberlandeplatz für Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Die New Yorker Pläne wurden zu einem symbolischen Streitfall darüber, wie kluge Standortpolitik aussieht. Hinter dem Deal mit Amazon standen der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, und der Bürgermeister von New York City, Bill de Blasio. Bis zum Schluss habe de Blasio versucht, Amazons Management und die Gewerkschaften zu einem Kompromiss zu bewegen, berichtet die New York Times. Der Konzern sei demnach aber nicht zu Zugeständnissen bereit gewesen. Die Gewerkschaften bemängeln vor allem die Arbeitsbedingungen bei Amazon. Gouverneur Cuomo hatte den Deal weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgehandelt und wollte sich mit dem Erfolg schmücken. Daraus wird nun nichts.

Der politische Widerstand gegen die neue Niederlassung sei zu gross gewesen, begründet Amazon die Entscheidung im Unternehmensblog. Man habe derzeit mehr als 5000 Mitarbeiter in den New Yorker Stadtteilen Brooklyn, Manhattan und Staten Island und wolle dort auch weiter wachsen. An dem im US-Bundesstaat Virginia geplanten weiteren Konzernsitz hält der Konzern fest. Hier bietet die Politikebenfalls Subventionen, in Höhe von 750 Millionen Dollar.

Amazon verhalte sich «wie ein bockiges Kind»

Einer der wichtigsten Gegner des Projekts in Queens war Michael Gianaris, ein Senator im Parlament des Bundesstaats New York. Der Konzern verhalte sich nun «wie ein bockiges Kind», kommentierte Gianaris den Rückzug des Konzerns. «Amazon besteht darauf, dass es nach seinem Willen läuft, nimmt den Ball und geht weg.»

Befürworter verweisen vor allem auf die 25'000 Jobs, die nun nicht entstehen. Wer die entsprechende Ausbildung hat, hätte dort im Schnitt 150'000 Dollar jährlich verdient – im Mittel kommt eine Familie in der Nachbarschaft laut lokalen Medienberichten nur auf ein Jahreseinkommen von 16'000 Dollar. Auch wären die drei Milliarden Dollar Subventionen laut Fürsprechern schnell wieder ausgeglichen gewesen, weil die Ansiedlung dem Bundesstaat in den kommenden Dekaden 27 Milliarden Dollar an Steuern gebracht hätte.

fal/sda