2015-03-18 07:10

Dem BLS-Personal drohen Einbussen

Wegen des schwachen Euros ist es für BLS Cargo «eine grosse Herausforderung», weiterhin rentabel zu sein. Nun muss sie sparen. Das trifft auch die Mitarbeiter. Sie haben die Wahl: Einbussen oder Stellenabbau

BLS-Güterzug im Hafen von Rotterdam: Das Transitgeschäft wird unter dem schwachen Euro leiden.

BLS-Güterzug im Hafen von Rotterdam: Das Transitgeschäft wird unter dem schwachen Euro leiden.

  • Mischa Stünzi

    Mischa Stünzi

Der BLS Cargo, der Gütertochter der BLS AG, geht es gut. Noch. Denn obwohl sie 2014 den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent steigern konnte, steht sie vor grossen Herausforderungen. Speziell der schwache Euro wird dem Bahnunternehmen zu schaffen machen. Gegenüber der Konkurrenz aus Europa hätten sich die Kosten für eine Transitfahrt für die BLS um 11 Prozent verschlechtert, seitdem die Nationalbank am 15. Januar den Mindestkurs aufgegeben habe, sagt Geschäftsführer Dirk Stahl. Er rechnet deshalb damit, dass die Währungssituation die Gewinne der nächsten Jahre schmälern wird. Wie stark, sei noch nicht genau absehbar. Denkbar ist sogar ein Rückfall in die Verlustzone. Laut Mediensprecherin Stefanie Burri wird es eine Herausforderung, 2015 ein positives Ergebnis zu erreichen.

Mit Blick auf den seit längerem schwachen Euro hat BLS Cargo schon 2009 begonnen, Kosten in den Euroraum zu verschieben. So werden Unterhaltsarbeiten vermehrt im Ausland durchgeführt. Noch habe das keinen Einfluss auf den Schweizer Personalbestand gehabt, versichert Bernard Guillelmon, Chef der BLS und Verwaltungsratspräsident von BLS Cargo. Für Stahl ist aber klar: In Zukunft sollen nach Möglichkeit noch mehr Kosten in Euro anfallen – so würden etwa die neuen Lokomotiven in Euro berappt. Das ist deshalb so elementar, weil BLS Cargo im Transit, der einen Grossteil des Geschäfts ausmacht, in Euro fakturiert.

«Das ist keine Drohung»

Der schwache Euro hat Folgen für das Personal. Für den BLS-Chef Guillelmon sind die Personalkosten «unsere grösste Herausforderung». Wenn sie sinken sollen, hat das Unternehmen zwei Optionen: Die Löhne sinken, oder es werden Stellen abgebaut. Beides sei kurzfristig nicht geplant, sagen Stahl und Guillelmon zwar. Und doch wird beides bei den laufenden Verhandlungen zum neuen BLS-Gesamtarbeitsvertrag zur Sprache kommen. Daran lassen die Manager keinen Zweifel. «Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Personals zu sichern», sagt Stahl. Mit anderen Worten: Wenn die Personalkosten nicht sinken, könnten Arbeitsplätze in der Schweiz verschwinden. Das sei keine Drohung, sondern wirtschaftliche Realität, erklärt Guillelmon. Mit Blick in die Zukunft warnt er weiter: «Wenn 2016 der Gotthard-Basistunnel aufgeht, wird der Druck der europäischen Konkurrenz noch stärker.» Was das für das tiefmargige Gütergeschäft bedeute, könne man sich ja denken.

Der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV stösst das Vorgehen der BLS sauer auf. «Ende Februar haben BLS, SBB und Crossrail ein gemeinsames Communiqué zur Eurothematik veröffentlicht. Darin ist von Massnahmen auf Seiten des Personals keine Rede», sagt SEV-Sprecher Peter Moor. Nun wolle die BLS im Windschatten der Euro-Franken-Debatte die Anstellungsbedingungen verschlechtern. Aber: «Lohnkürzungen sind für uns absolut kein Thema», hält Moor fest. Beim Personal sei wenn schon die Bereitschaft grösser, länger zu arbeiten. Allerdings nur unter vier Bedingungen, so Moor: Es muss transparent verhandelt werden, auch Kader und Aktionariat müssen Opfer bringen, es muss eine wirtschaftliche Notlage vorherrschen und die Massnahmen müssen befristet sein.

Der Bund