2016-11-09 15:18

In Köniz gibts ein Gerangel auf der Startlinie

Die FDP will mit Hans-Peter Kohler bereits als dritte Partei das Könizer Gemeindepräsidium erobern. Weitere Kandidaturen dürften folgen.

Der freisinnige Parlamentarier und Grossrat Hans-Peter Kohler möchte Gemeindepräsident von Köniz werden.

Der freisinnige Parlamentarier und Grossrat Hans-Peter Kohler möchte Gemeindepräsident von Köniz werden.

(Bild: Keystone)

  • Marc Lettau

    Marc Lettau

Wählen werden die Könizerinnen und Könizer zwar erst im September 2017 dürfen, aber bereits jetzt können sie mitverfolgen, wie nach und nach ein Gerangel auf der Startlinie fürs grosse Rennen entsteht. Bereits melden drei Parteien Ambitionen aufs heute von Ueli Studer (SVP) gehaltene Gemeindepräsidium an. Als Erste haben die Grünliberalen – respektive ihr Gemeinderat Thomas Brönnimann – ihren Anspruch aufs höchste Amt angemeldet. Auf ihn folgten die Könizer Grünen, die den Parlamentarier Hansueli Pestalozzi in den Gemeinderat und dort gleich an dessen Spitze hieven möchten. Und am Mittwoch nun reihte sich der freisinnige Parlamentarier und Grossrat Hans-Peter Kohler ins Feld der Gemeindepräsidentenkandidaten ein.

Zu den drei Kandidaten werden mit Bestimmtheit weitere dazukommen, denn die stärksten politischen Kräfte in der Gemeinde – die SP und die SVP – haben beispielsweise noch gar keine Namen genannt. Auch aus den Reihen der kleineren Parteien dürfte sich mindestens ein weiterer Gemeindepräsidiumskandidat dazugesellen, vielleicht nicht mit der Ambition, gewählt zu werden, sondern mit dem Auftrag, im Wahlkampf der eigenen Partei zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen.

Hans-Peter Kohlers Ambitionen

Die am Mittwoch publik gewordene Kandidatur von Hans-Peter Kohler ist kaum der Kategorie dieser «Wahlhelfer» zuzuordnen: Die FDP und ihr Kandidat meinen es ernst. «Für die FDP Köniz war von Anfang an klar, dass sie im Gemeindepräsidiumswahlkampf eine zentrale Rolle spielen wird», erklärte die Parteispitze gestern. Selbstsicher klingt auch die Darstellung ihres Kandidaten: Kohler kenne als langjähriger Gemeindeparlamentarier, Grossrat, Präsident der kantonalen Gesundheits- und Sozialkommission die kommunale und kantonale Politik bestens. Er erfülle ideal alle Voraussetzungen für das Amt als Gemeindepräsident einer bernischen Grossgemeinde. Und für alle, die sich fragen, wie der Medizinprofessor alles unter einen Hut bringen will, macht der Kandidat klar: Die politische Arbeit sei für ihn über die letzten Jahre so wichtig geworden, dass er sich künftig hauptberuflich der Politik widmen möchte.

Warten auf SP und SVP

Für alle drei bisherigen Kandidaten gilt: Wie ideal die Voraussetzungen sind, auch gewählt zu werden, hängt ganz wesentlich von den Parteien ab, die sich derzeit noch bedeckt halten. Die SP wird einiges daransetzen, das Gemeindepräsidium, das sie vor Ueli Studers Wahl rund ein Vierteljahrhundert innehatte, zurückzuerobern. In ihren Reihen gibt es mehr als nur einen Genossen, der sich das zutraut.

Bleibt die SVP. Sie wird nächste Woche ihre Favoriten küren – und auch sie wird mit Bestimmtheit einen Kandidaten fürs Gemeindepräsidium ernennen. Damit ist auch gesagt, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem zweiten Wahlgang kommen wird. Somit werden nach dem ersten Wahlgang knifflige Deals zwischen den Parteien auszuhandeln sein. Konkret werden sich SVP und FDP einigen müssen, ob sie im zweiten Wahlgang den freisinnigen Hans-Peter Kohler oder den heute noch namenlosen SVP-Kandidaten unterstützen wollen. Träten beide an, verlören wohl beide.

Identische Überlegungen werden auch die Grünliberalen, die Grünen und die Sozialdemokraten anstellen müssen. Im ersten Wahlgang werden sie als mehr oder weniger freundschaftliche Konkurrenten antreten. Für den zweiten Wahlgang werden auch sie sich klar werden müssen, welche Kandidatur die chancenreichste ist.

Vier von fünf treten zurück

Zu verdanken ist die sehr offene Ausgangslage dem Umstand, dass bei den Könizer Gemeinderatswahlen 2017 praktisch die ganze Regierung ausgewechselt wird. Vier ihrer fünf Mitglieder müssen wegen Amtszeitbeschränkung zurücktreten: Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP), Rita Haudenschild (Grüne), Katrin Sedlmayer (SP) und Urs Wilk (FDP). Einzig Gemeinderat und Sozialvorsteher Thomas Brönnimann (GLP) kann im Wahlkampf das Prädikat «bisher» sowie seine Dossierkenntnis in die Waagschale werfen. In Köniz gibts ein Gerangel auf der Startlinie.

DerBund.ch/Newsnet