2014-11-21 18:41

«Es war offenbar ein Bedürfnis da»

In Bremgarten wird am 30. November der Nachfolger des Gemeindepräsidenten Dominique Folletête (FDP) gewählt. Auf Gemeindeebene seien Unterschiede zwischen den Parteien oft nur «Nuancen», sagt Andreas Kaufmann.

Der Sportplatz ist für Andreas Kaufmann das eigentliche Zentrum der Gemeinde.

Der Sportplatz ist für Andreas Kaufmann das eigentliche Zentrum der Gemeinde.

(Bild: Manu Friederich)

  • Simon Wälti

    Simon Wälti

Bremgarten habe sich seit seiner Kindheit stark verändert, sagt der 44-jährige Andreas Kaufmann. «Bremgarten hat sich von einer Landgemeinde zu einer Agglomerationsgemeinde gewandelt.» Kaufmann ist in Bremgarten aufgewachsen. Die Migros gab es vor über 30 Jahren noch nicht, dafür vier Beizen. Die Schule stand alleine. «Bremgarten war viel ländlicher.» Es sei aber nicht eine Schlafgemeinde. «Bremgarten ist eine ruhige Gemeinde, aber sie schläft nicht.» Dass Bremgarten mit rund 4300 Einwohnern überschaubar geblieben ist, findet der Chemiker FH und Betriebswirtschafter im Bundesamt für Verkehr ein Vorteil. «Ich bin froh, hat man die grossen Pläne für ein Bremgarten mit 12 000 Einwohnern nie realisiert.»

Die Gemeinde sei mehr oder weniger gebaut, findet Kaufmann, der als Gemeinderat seit rund drei Jahren für das Ressort Betriebe, Infrastruktur und Umwelt zuständig ist. An der Gemeindeversammlung seien denn auch mehrere Einzonungen abgelehnt worden. «Bremgarten kann gar nicht mehr wachsen.» Den Entscheid, ob der Fussacker, ein grosses Stück Landwirtschaftsland, das direkt an den Sportplatz anschliesst und der Gemeinde gehört, überbaut werden soll, will Kaufmann «der nächsten Generation» überlassen. «Wir sollten nicht auf Vorrat einzonen.»

Der Grünliberale, der von FDP und SVP portiert wird, will sich für «gesunde Finanzen ohne Abenteuer» einsetzen und die Verschuldung weiter senken. Derzeit hat Bremgarten 13 Millionen Franken Schulden. Wichtig sind ihm auch die Weiterentwicklung des hohen Schulniveaus und eine intakte Infrastruktur. Bremgarten sei eine bevorzugte Wohnlage für Familien. «Viel Grün, gute Schulen, kein Durchgangsverkehr und trotzdem ÖV-Anschluss.» Ähnliche Ziele setzt sich auch sein Konkurrent Andreas Schwab von der SP. «Die Parteizugehörigkeit ist auf Gemeindeebene nicht so entscheidend, das sind oft Nuancen», meint der verheiratete Kaufmann.

Dass er vor drei Jahren auf Anhieb gewählt wurde, erklärt er so: «Es war offenbar ein Bedürfnis da.» Doch was unterscheidet ihn von einem Freisinnigen? «Ich lege mehr Wert auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.» Und von einem Grünen? «Ich bin restriktiver bei den Ausgaben und behalte auch die Betriebskosten im Auge.» Kaufmann glaubt nicht, dass der Wahlkampf gegen den Gemeinde-
ratskollegen Schwab das Klima im Gremium belasten wird. Er selber sei eher «der Planer», sagt Kaufmann, der als ­Risiko-, Sicherheits- und Umweltspezialist arbeitet und seine Chancen als gut bezeichnet. Seinen Gegner verortet er eher auf der kreativen Seite.

In der Pfadi heisst er Schnätz

Kaufmann bezeichnet sich als grossen Pfadfinder, tatsächlich ist er seit 35 Jahren beim Pfadikorps Schwyzerstärn und in dessen Abteilung Inka-Bremgarten aktiv. «Dabei sind wahnsinnig viele Freundschaften entstanden.» Im Rückblick verklärt sich dabei einiges: Selbst bei der Erinnerung an ein Nachtlager in Regen und Schlamm wird ihm warm ums Herz. Derzeit versieht Kaufmann, der den Pfadinamen Schnätz trägt, noch das Amt des Kassiers. Sein letztes Lager organisierte er notfallmässig 1996, als die Leiter unvermittelt absprangen.

Ähnlich ist es nun mit dem Abgang von Dominique Folletête, der Knall auf Fall erfolgte. «Ich musste aus dem Nichts Vollgas geben.» Der Flyer musste innert weniger Tage verfasst und gedruckt werden, dabei unterlief in der Eile ein Fehler. Kaufmann wird zur Wahl als «Gemeinderatspräsident» vorgeschlagen, zu besetzen ist aber das Amt des Gemeindepräsidenten. Die Terminplanung ist so gedrängt, weil die Wahl gemäss Regle­ment innert 30 Tagen zu erfolgen hat. «Das stammt wohl noch aus dem Kalten Krieg, Bremgarten sollte nicht länger als einen Monat führungslos sein», sagt Kaufmann. Heute sei eine ­solche Regelung nicht mehr zeitgemäss.

DerBund.ch/Newsnet