2013-11-25 10:48

Keine bürgerliche Wende in Köniz

Die SP verliert im Könizer Gemeinderat einen ihrer beiden Sitze an die GLP und gerät damit in ein Dilemma. Zulegen können die Grünen und die BDP. Die Grünen halten ihren Sitz, die BDP geht leer aus.

Spektrum der Gefühle: Die Grüne Rita Haudenschild im Glück, Sozialdemokratin Sedlmayer bedrückt.

Spektrum der Gefühle: Die Grüne Rita Haudenschild im Glück, Sozialdemokratin Sedlmayer bedrückt.

(Bild: Thomas Reufer)

Mit dem zweitbesten Resultat aller Kandidierenden wurde Katrin Sedlmayer (SP) gestern in ihrem Amt als Könizer Gemeinderätin bestätigt. Und dennoch war ihr Gesicht wie versteinert, als sie um 19 Uhr die Eingangshalle der Könizer Gemeindeverwaltung betrat. Wenige Augenblicke zuvor war sie zusammen mit den anderen Gemeinderäten über das Resultat der Wahl orientiert worden – dieses stürzt die SP in ein Dilemma, für dessen Lösung die Partei womöglich Sedlmayers nachträgliche Abwahl riskieren wird.

Alle amtierenden Gemeinderäte, die wieder antraten, wurden gestern in ihrem Amt bestätigt. Ueli Studer (SVP) erzielte mit 4183 Stimmen das beste Resultat. Sedlmayer erhielt 3427 Stimmen, Rita Haudenschild (Grüne) 3383 und Urs Wilk (FDP) 2492. Den fünften Sitz eroberte – für viele überraschend – Thomas Brönnimann (GLP) mit 1513 Stimmen. Nicht mehr angetreten ist der amtierende Gemeindepräsident Luc Mentha (SP).

Die SP im Dilemma

Damit erfährt die Zusammensetzung des Könizer Gemeinderats zwei wichtige Änderungen. Erstens: Die SP verliert einen ihrer beiden Sitze. Zweitens: Die GLP zieht erstmals in die Exekutive ein.

Bei den letzten Wahlen vor vier Jahren hatte die SP Glück bei der Vergabe der Restmandate. Nun, wo ihr Wähleranteil von 28,2 auf 23,3 Prozent gesunken ist, war sie weit davon entfernt, dieses zu halten. SP-Präsident Christoph Salzmann war deshalb über den Sitzverlust zwar enttäuscht, aber nicht überrascht. Er sei zuversichtlich gewesen, dass seine Partei ihr Ziel, beide Sitze zu halten, erreichen könnte. «Aber es hat nicht sollen sein.»Das schlechte Abschneiden bei den Gemeinderatswahlen ist für die SP besonders bitter, weil es direkten Einfluss auf die Wahl ums Gemeindepräsidium hat. Lässt die SP im zweiten Wahlgang Hugo Staub gegen Ueli Studer (SVP) antreten, spielt sie ihn damit auch gegen die eigene Gemeinderätin Sedlmayer aus.

Denn: Gemäss dem Könizer Wahlreglement zieht automatisch in den Gemeinderat ein, wer zum Gemeindepräsidenten gewählt wird. Das heisst: Wird Staub gewählt, fliegt Sedlmayer raus, obwohl sie als Kandidatin für den Gemeinderat 140 Stimmen mehr bekam als Staub.Eine mögliche Lösung ist, dass sich SP und Grüne darauf einigen, die Grüne Haudenschild ins Rennen um das Gemeindepräsidium zu schicken, obwohl sie im ersten Wahlgang weniger Stimmen bekam als Staub. Die SP und die Grünen wollen heute Morgen früh zusammensitzen und entscheiden, wer in den Kampf um das Präsidium steigt.

«Wir werden die Kandidatur unterstützen, die mehr Chancen hat», sagte SP-Präsident Christoph Salzmann gestern. Die erste und wohl auch wichtigere Frage wird aber sein, ob die SP bereit ist, den Sitz ihrer amtierenden Gemeinderätin aufs Spiel zu setzen.

Rita Haudenschild stünde als Anwärterin auf das Gemeindepräsidium auf jeden Fall bereit, wie sie gestern erklärte. Sie strahlte nach der Wahl des Gemeinderats über das ganze Gesicht. Haudenschild galt als Wackelkandidatin – und erzielte für den Gemeinderat nun das drittbeste Resultat. Die Grünen legten auch im Gemeinderat deutlich zu und haben nun einen Wähleranteil von 15,5 Prozent.

Glück für GLP, Pech für BDP

Das Rennen um den frei gewordenen SP-Sitz endete nur knapp zugunsten von Thomas Brönnimann. Die Listenverbindung von GLP, EVP und CVP erzielte 7817 Stimmen – nur rund 800 mehr als die BDP. So kommt es, dass nun die GLP in den Gemeinderat einzieht, obwohl sie nur rund halb so viele Stimmen bekam wie die BDP und obwohl Brönnimann mit 1513 Stimmen deutlich hinter BDP-Konkurrent Thomas Frey lag, der mit 2962 Stimmen das fünftbeste Resultat aller Kandidierenden erzielte. Brönnimann sagte gestern, seine Partei habe den Sitz im Gemeinderat «selbstbewusst angestrebt». Den eigenen Erfolg wertet er als beträchtlich, weil die GLP nicht fürs Gemeindepräsidium kandidiert hatte: «Diese Profilierungsplattform konnten wir also nicht nutzen.»

Es stellt sich nun die Frage, ob mit dem Einzug der GLP in den Gemeinderat die «bürgerliche Wende» Tatsache ist, die eigentlich FDP und SVP angestrebt hatten. Nein, findet Brönnimann. Er vertrete in Verkehrs- und Energiefragen ähnliche Positionen wie die wiedergewählten Haudenschild und Sedlmayer. Gleichwohl wolle er aber das Potenzial einer Mittepartei nutzen und je nach Thema wechselnde Mehrheiten suchen. «Selbst mit der SVP ist das möglich.»

DerBund.ch/Newsnet

Thomas Brönnimann, GLP.
Thomas Brönnimann, GLP.(Bild: zvg)