2015-07-29 11:04

Widerstand gegen Wachstumspläne

Köniz, Muri und Ostermundigen sollten laut Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept grosse Flächen einzonen. Dagegen wehren sich die Gemeinden nun.

Geht es nach der Regionalkonferenz, könnte auf dem Blinzernplateau neuer Wohnraum entstehen. Dagegen wehrt sich der Könizer Gemeinderat.

Geht es nach der Regionalkonferenz, könnte auf dem Blinzernplateau neuer Wohnraum entstehen. Dagegen wehrt sich der Könizer Gemeinderat.

(Bild: Adrian Moser)

  • Lisa Stalder

    Lisa Stalder

Rund 440'000 Menschen werden 2030 in der Region Bern leben. Damit für sie Wohnraum geschaffen werden kann, muss Bauland eingezont werden. Im Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK) der Regionalkonferenz Bern-Mittelland ist von 182 Hektaren zusätzlichem Bauland die Rede. Und die Regionalkonferenz schlägt auch gleich etliche Gebiete vor, die sich für die weitere Siedlungsentwicklung eignen würden. So zum Beispiel das Viererfeld in der Stadt Bern, das Gebiet Saali/Dennigkofen auf Berner und Ostermundiger Boden und das Blinzernplateau in der Gemeinde Köniz.

Blinzernplateau ist Tabu

Diesem Vorschlag kann der Könizer Gemeinderat herzlich wenig abgewinnen, wie aus seiner Mitwirkungseingabe zum RGSK hervorgeht. Er fordert nun von der Regionalkonferenz, das Blinzernplateau als «Vorranggebiet für die Siedlungserweiterung» zu streichen. Diese Forderung erstaunt nicht, wurde doch ein regelrechter Sturm der Entrüstung ausgelöst, als die Könizer Behörden vor zwei Jahren laut über eine teilweise Einzonung des Gebiets nachdachten.

Seitdem ist klar, dass das grüne Gebiet im städtischen Kerngebiet zwischen Köniz und Schliern nicht angetastet wird. Es ist denn auch nicht im kommunalen Richtplan der Gemeinde enthalten, den der Kanton 2014 genehmigt hatte. Nicht nur das Blinzernplateau soll aus dem RGSK gestrichen werden, sondern auch das Landorf, das Weyergut in Wabern und das Bannholz zwischen Köniz und Schliern.

Nicht nur in Köniz, auch in Ostermundigen herrscht Skepsis gegenüber dem Konzept. Hier sieht die Regionalkonferenz im Gebiet Dennigkofen beim Freibad grosses Potenzial für eine weitere Siedlungsentwicklung. Nicht so der Gemeinderat: «Eine Umzonung dieses Gebiets steht für uns ausser Frage», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) auf Anfrage.

Für die Exekutive gelte in erster Linie der raumplanerische Wegweiser der Gemeinde – und dieser sehe keine derartige Entwicklung vor. «Wir sind nicht bereit, an unseren Siedlungsstrukturen zu schräubeln.» Eine Arbeitszone im Gebiet Mösli im Norden Ostermundigens sei für den Gemeinderat ebenfalls «kein Thema».

Auch die Gemeinde Muri fordert in ihrer Stellungnahme eine Reduktion der Siedlungserweiterungsgebiete. Dies ­betrifft weite Teile des Gümligenmoos sowie den südlichen Zipfel der Schürmatte. Beide Gebiete hätten sich als Siedlungsentwicklungsgebiete «als nicht erforderlich und weniger geeignet erwiesen», sagt Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP). Aufgrund der zurückliegenden Ortsplanungsabstimmungen sei zu erwarten, dass die Bebauung dieser Areale auch in absehbarer Zukunft keine Zustimmung finden würde.

Uettligen soll sich entwickeln

Während die drei Agglomerations­gemeinden für ein geringeres Wachstum plädieren, wünschen sich die Gemeinden am Frienisberg Süd «grössere bauliche Entwicklungsmöglichkeiten». In ­einer gemeinsamen Mitwirkungseingabe schreiben die Gemeinden Bremgarten, Kirchlindach, Meikirch und Wohlen, dass «die Entwicklungsgebiete zu stark auf deren Erreichbarkeit von und nach Bern festgelegt» worden seien.

Für sie sei Uettligen mit seinen Läden, der Poststelle und den zahlreichen Gewerbebetrieben ein wichtiges Subzentrum, das gestärkt werden müsse. Eine bauliche Entwicklung ausserhalb der heutigen Bauzonen sei in Uettligen ­daher «dringend nötig».

Noch ist die Regionalkonferenz dabei, die Stellungnahmen zum RGSK auszuwerten. Die Mitwirkungsfrist lief am 10. Juli ab. Von den 85 Gemeinden der Regionalkonferenz haben 70 eine Eingabe gemacht. Mit dem RGSK sollen die Weichen für ein zehnprozentiges Bevölkerungswachstum bis 2030 gestellt werden. Dabei sollen vor allem bereits dicht besiedelte Gebiete entwickelt werden.

Der Bund