2018-04-18 15:59

Ampelfarben bewerten Gurlitt-Werke

Raubkunst oder nicht? Das Kunstmuseum Bern hat ein eigenes System entwickelt für die Bilder der Gurlitt-Sammlung.

Max Liebermann: Figuren am Strand, ohne Jahr, Pastellkreide auf Velinpapier, 12,4cn x 20cm.

Max Liebermann: Figuren am Strand, ohne Jahr, Pastellkreide auf Velinpapier, 12,4cn x 20cm.

(Bild: Mick Vincenz/Kunstmuseum Bern)

Rot, grün, gelb: Das Kunstmuseum Bern entscheidet mit den Ampelfarben darüber, welche Werke aus dem Kunstfund Gurlitt es in seine Sammlung aufnimmt und welche nicht.

Der Kunstfund umfasst 1557 Werke, die allesamt auf ihre Herkunft hin untersucht worden sind und werden. Wichtig ist dies deshalb, damit von den Nationalsozialisten geraubte oder Sammlern abgepresste Werke zurückgegeben werden können.

Das Kunstmuseum Bern als Erbe des mit den Schatten eines dunklen Kapitels europäischer Geschichte behafteten Konvoluts machte von Anfang an klar, dass es nur vom Themenkreis der Raubkunst unbelastete Werke in sein Haus übernehmen wird. Der Rest soll laut Vereinbarung in Deutschland bleiben und, soweit möglich, den Berechtigten zurückgegeben werden. Was nicht zurückgegeben werden kann, geht letztlich an den Deutschen Staat.

Mittlerweile ist klar, dass das Konvolut verhältnismässig wenig Raubkunst enthält. Bisher wurden sechs Werke identifiziert, vier davon sind bereits an die Berechtigten zurückgegangen. Daneben gibt es 61 Verdachtsfälle. Die Raubkunst bildet die Kategorie rot.

Auch unbelastete Werke befinden sich im Gurlitt-Konvolut, etwa Gemälde von Mitgliedern der kunstsinnigen Familie Gurlitt. Sie bilden die Kategorie grün, also unbedenklich.

Ein Gutteil der Sammlung besteht aber aus der Kategorie gelb. Das heisst, bei diesen Werken ist unklar, wie sie in Gurlitts Besitz kamen. Bis 2022 muss das Kunstmuseum Bern entscheiden, welche «gelben» Werke es annimmt und welche nicht. Einfach wird diese Sache für das Kunstmuseum Bern nicht, denn in vielen Fällen lässt sich die Herkunft der Werke einfach nicht mehr klären. Bern unterteilt deshalb diese Kategorie in einen grün-gelben und einen rot-gelben Teil.

Die grün-gelbe Kategorie an Werken hat zwar Lücken in ihrer Provenienz. Der weitere Kontext deutet aber nicht auf Raubkunst hin. Diese Werke wird Bern behalten, wie Marcel Brülhart, Vizepräsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern-Zentrum Paul Klee am Mittwoch vor den Medien sagte.

Anders die rot-gelbe Kategorie: Dort gibt es zwar keine konkreten Hinweise auf Raubkunst, doch im weiteren Kontext wäre es allenfalls denkbar. Diese Werke wird Bern nicht annehmen.

zec/sda